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Korfu
Verse und Fotos

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Korfu

Wo das griechische Festland im Nordwesten an Albanien stößt, liegt eine griechische Insel, Korfu, zwei Kilometer von der hier schon albanischen Küste entfernt. Erst vor 9.000 Jahren wurde Korfu vom Festland durch einen Anstieg des Meeresspiegels getrennt. Korfu – oder Kerkyra – liegt in angenehmem Klima, es wird deshalb auch ,die grüne Insel' genannt. Korfu zählt zu den wohlhabenderen Gegenden Griechenlands. Seine Bewohner, die Korfioten, sind ein Völkergemisch. Wegen ihrer klimatisch, aber auch strategisch günstigen Lage war die Insel immer beliebt: Griechen, Römer, Sarazenen, Normannen, Franken, Venezianer, Briten wechselten einander in der Herrschaft ab und trugen das ihre zur Bevölkerungsvielfalt bei.

Einige Daten: 61 Kilometer lang, 9 Kilometer breit, insgesamt 585 km². Hügelig, mit dem Pantokrator (906 Metern über dem Meer) als höchster Erhebung. Knapp 100.000 Einwohner, das sind 166 Einwohner auf den Quadratkilometer, eine dichte Besiedelung. Allerdings wohnt mehr als ein Drittel davon in Korfu-Stadt. (Griechenland insgesamt hat bei knapp 11 Millionen Einwohnern 82 Menschen auf dem Quadratkilometer.)

Verweis zur Google-Map Korfu

 

Acharavi

Wir haben uns ab Mitte Oktober für eine Woche in Acharavi eingemietet. Dieser Ort liegt an der Nordküste der Insel, 36 Kilometer von Korfu-Stadt entfernt. Er hat sich aus einem Fischerdorf entwickelt. Von einer langen Hauptstraße parallel zum Strand zweigen Sträßchen zu Ferienhäusern und Wohnanlagen ab. Einkaufsmöglichkeiten, Ess- und Trinkstätten sind vorhanden, besondere Sehenswürdigkeiten gibt es nicht – außer dem langen und breiten Sandstrand, dem Meer, den Olivenhainen des Hügellands. Die Besucherwelle ist schon wieder zurückgeschwappt, manche Restaurants haben bereits mit der Winterpause begonnen. Nachts ist es kalt, tagsüber angenehm, nur kurz fällt Regen.

 

2011-10-22-0427-Strand-Acharavi-mittel

Strand Acharavi

 

Griechische Kommunion.
Der Stolz des Mädchens
hinter der Kerze.

    Acharavi, Kirche

 

Lauschen am Strand.
Was mir das Meer erzählt,
weiß ich schon.

    Strand Roda – Acharavi

 

Wellenzischen.
Hinter dem Paar nun nur noch
die Spur der Frau.

    Strand Roda – Acharavi

 

Korfu.
Von einer Stromleitung zerschnitten
der Mond.

    Acharavi, Bushaltestelle

 

Verschlossenes Tor.
Die Treppe
führt in die Wolken.

    Acharavi, am Dorfmuseum

 

Dorfmuseum Acharavi, Korfu

Die Armut, der Reichtum in dieser Armut,
die Einfachheit in sichtbaren Strukturen:
Olivenbauer, Wäscherin, Fischer,
Schuhputzer, Magd.
Wie hier, war es überall.

Vielleicht sind wir so laut und so leise,
weil wir die Zeichen der neuen Welt
noch nicht sehen, weil ein Motorrad gut
zu lenken ist, aber nicht das eigene Leben
im Gewirr der Verflechtung von Geld und Macht,
die sich über uns erheben, ein babylonischer Turm,
so dass wir uns die Augen verbinden für dieses
wohltuende Dunkel oder losrasen
und schreien, zu übertönen
dieses unsichere
Licht.

 

Verwilderter Olivenhain.
Im Müll
eine Strandliege.

    bei Acharavi, Wanderung in den Hügeln

 

Olivenhain.
Durch schwarze Netze
sind Blumen geschlüpft.

    bei Acharavi, Wanderung in den Hügeln

 

Wir sitzen am Meer.
Ein Boot tuckert
in die Unendlichkeit.

    Acharavi, am Strand

 

Saison-Ende.
Der Wirt am Strand schraubt
sein Schild ab.

    Acharavi, am Strand

 

Zwischen zwei Wogen –
der Flug
einer Möwe.

    Acharavi, im Meer badend

 

Surfkurs.
Alle lernen, nur nicht
das Meer.

    Acharavi, am Strand

 

Frühstück der Sonne –
die Milch im Teller
der Liebsten.

    Acharavi, Studio Niki Apartment 8, Balkon

 

Abend am Meer.
Ich niese in die sich ändernden
Farben.

    Strand Acharavi

 

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Acharavi: Strand – Olivenbaum – Studio Niki

 

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Acharavi: Strand

 

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Hügel bei Acharavi: Müll – Olivenhain – Olivenhain – Ausblick Wald – Alpenveilchen unterm Olivennetz

 

 

Inselrundfahrt

 

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Achilleion bei Korfu-Stadt

 

Olivenhain.
Durch schwarze Netze
fällt Licht.

    Busrundfahrt Nordhälfte der Insel

 

Musen-Augen
am Achilleion – blicklos
über dem Meer.

    Achilleion, Terrasse

 

Surren des Bootsmotors.
Das Meer –
eine Wiege.

    Paleokastritsa, Bootsfahrt

 

Grotte der Nausikaa.
Von meinen Fingern schmecke ich
Meer.

    Paleokastritsa, Bootsfahrt

 

Ionisches Meer.
In der Felshöhle
das blaue Auge der Sonne.

    Paleokastritsa, Bootsfahrt

 

Alter Olivenhain.
Ein Junge wirft Steine
nach den Hunden.

    Dorf

 

Kerkyra

Vom Park am Meer die engen Gassen
in die Stadt zu den Cafees.

Die Menschen sind nun still geworden,
im Herbst allein mit Gewinn und Verlust.

Nur noch die Bläue des Himmels,
nur noch die Wogen der See.

 

Achilleion

,Sisi' ließ den Palast bauen,
war einige Mal hier. Sie, magersüchtig, mochte den Krieger:
Ihre Statue ist der sterbende Achill.

Wilhelm II., der nach ihrem Tod den Palast übernahm,
ließ Achill nochmals erschaffen: Siegreich blickt er über
die Stadt und das Meer.

Auf der Terrasse aber stehen
die Musen.

 

Paleokastritsa

Auf einem Felsen das Kloster.
Geebneter Grund. Der Hund des Abts
läuft neben der Haushälterin. Weiße Mauern.
Blumen. Der Glockenturm. Das grelle Rot
aufgehängter Teppiche. Münzen glänzen
aus der vergitterten Tiefe des Brunnens.
In der Kirche wird uns gegen die Finsternis
eine Kerze gereicht.

Unten schlägt
das Meer an die Klippen,
zärtlich.

Doch es wird sie
zerbröseln.

 

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Korfu-Stadt: Gasse – Haus – Bäckerei – weiße Taube

 

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Achilleion: Hauptgebäude – Sterbender Achill – Siegreicher Achill – Terpsichore – Ausblick

 

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Paleokastritsa: Grotte der Nausikaa – Blaues Auge – Kloster Paleokastritsa – Münzbrunnen

 

 

 

Korfu-Stadt

 

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Gasse in Korfu-Stadt

 

Bucht von Kerkyra.
Ein Hund
bewacht das Meer.

    Turm Ende Garitse-Bucht

 

Zerfallener Hera-Tempel.
Auf dem Hügel
grünt ein Olivenbaum.

    Park Mon Repos

 

Poseidon-Tempel,
zerfallen – das Rauschen
des Meeres.

    Park Mon Repos

 

Alte Kirche auf Korfu.
Gleichgültig erhält Eintritt
der Baulärm.

    Kirche Agios Iason und Agios Sossipatros

 

Cafee in Kerkyra.
Auf Fliesen fällt eine Blüte
der Bougainville.

    Restaurant Bougainvilea am Rathausplatz

 

Hera-Tempel
Mon Repos

Aus dem Hügel über Tempelruinen
entsprang ins Licht ein Olivenbaum
und ist nun schon alt, alt.

In flirrende Stille geworfen
der Schatten der Göttin – deutlicher heute
als noch in ihrer Jugend.

Obgleich die Steine immer tiefer einsinken,
hinein in die Heimat, an Hacken und Schaufeln
der Archäologen vorbei.

Wenn der Schatten wieder
Gestalt annimmt, dann
aus den Träumen der Menschen,

die vor ihm stehen.

 

Poseidon-Tempel
Mon Repos

Tief unten die Wellen mögen andere sein,
was sie gegen die Küste wirft, ist dasselbe Meer
wie schon damals. Deine Steine nahm die Erde zurück.
Engländer gruben sie wieder aus. Nun liegst du im Park
eines Herrschaftsgebäudes.

Säulenreihen, durchlässig, der Welt zugewandt,
ein Übergang von den Stämmen der Waldes
in die Verwandlung. Die Stadtkirche hat ihre Pfeiler
ins Innere verlegt, mit Wänden sich abzuschotten
von den Vögeln und Blumen.

Wenn etwas heilig sein kann, dann ist es zwischen
den Schichten der Rinde verborgen oder im Klang
dieser Wellen, die aus der Tiefe tönen, und wartet,
dass jemand es aufnimmt und in es hinein
zu singen beginnt.

 

Auf das Essen warten in Kerkyra

Vor der Bank steht eine Mahnwache,
Schüler und Studenten zumeist oder Angestellte
aus den zahlreichen Läden. Die Besitzerin des Bougainvilea
geht auf und ab, spricht Passanten an. Ihr Essen
ist gut, doch Gäste fehlen. Auf den Kanaren
entstehen weitere Blocks, hinein in die Arbeitslosigkeit,
bald auch drüben an der albanischen Küste.
Die Urlauberströme verteilen sich. Der Staat
ist bankrott. Die Menschen hangeln von Tag zu Tag.
Wir zwei haben einfach nur Glück.
Erinnere die Tempel im Park Mon Repos: Es bleiben
nur Steine und Träume. Ein Kampfpilot zieht seinen Bogen
über die Stadt. Heißt das: „Wir sind noch wer“?
Wahrscheinlich wird die Bougainville, deren Blüten
die Steinfliesen decken, den Tag überdauern,
im Wind, der vom Meer weht.
Wahrscheinlich fliegen die Bienen noch lange
unter dem Donner der Jets.

 

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Hauptgebäude Mon Repos, Gelände Mon Repos: Baum, Heraeum, Poseidon-Tempel, Baum

 

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Korfu-Stadt: Gasse, Kirche Agios Iason und Agios Sossipatros, Restaurant Bougainvilea

 

 

Texte und Fotos entstanden Samstag 15. bis Samstag 22. Oktober 2011 bei einem Aufenthalt auf Korfu. Alle Verse wurden bis Oktober 2013 zum Teil erheblich überarbeitet, Sachinformationen später ergänzt.

 

 


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