Eingang   II   Berichte   I   Blog-Archiv

 

Volker Friebel

Mexiko
Eine Reise von Yukatan nach Mexiko-Stadt
Fotos und Verse

Klicks auf die Unterschriften der Fotos führen zu größeren Versionen der Bilder (1200x900 Pixel).

 

 

Vorwort

In Tübingen fällt Schnee, wir rutschen mit unseren Rollkoffern zum Bahnhof. Überzuckerte Bäume, das Land ist tief verschneit.

In Frankfurt Flughafen das Wirrwarr der Gänge.

Umstieg in Mexiko-Stadt nach Cancún. Unsere Warteschlange rückt zu einer Frau mit langen silbernen Fingernägeln, wie Vogelkrallen, metallisch lackiert. Müde vergleicht sie Gesichter und Fotos, drückt ihre Stempel auf die Einreisepapiere und winkt uns durch.

Bald erheben wir uns über ein Lichtermeer: Mexiko-Stadt. Zwei Stunden später landen wir in der Dunkelheit. Im Kleinbus eine Stunde Fahrt auf der Schnellstraße nach Südwesten, an der Küste entlang, der ,Riviera Maya', dann halten wir an unserem Standort am Meer: Paamul RV Park.

Unser Gepäck steht unter Palmen. Es ist 4 Uhr morgens in Yukatan oder 11 Uhr vormittags zu Hause. Hinter dem Restaurant rauscht das Meer. Die Nacht ist heiß und schwül, ungewöhnlich für Anfang Februar auch an diesem karibischen Strand. Wir richten unsere Schlafplätze, hängen das Mückennetz auf und dann, tatsächlich, schlafen wir.

Zwei Tage werden wir am Strand verbringen. Ein Ausflug führt uns nach Tulúm, das Maya-Städtchen eine dreiviertel Stunde südwestlich am Meer. Dann beginnt die Reise nach Mexiko-Stadt, über Chichén Itzá, Mérida, Uxmal, Palenque, San Christóbal de las Casas, den Isthmus von Tehuantepec, Oaxaca, Mitla, Monte Albán, Puebla, Cholula, Teotihuacán. 2.719 Kilometer werden am Ende vom Fahrer abgelesen.

Jede Station der Reise bildet ein Kapitel im Buch. Zuerst stehen einige Sachinformationen. Dann folgen Fotos und Notizen von unterwegs: Haiku, Gedichte, kurze Prosa.

Für das Netz musste das Buch gekürzt werden. Die vollständige Fassung (etwa die doppelte Länge) gibt es als eBuch.

 

 

Erwachen am Maya-Strand

Playa del Carmen, Übernachtungsplatz Paamul Wohnmobil-Park. Früher lag in dieser Gegend wahrscheinlich ein kleiner Hafen der Maya für den Warentransport in der Karibik.

 

Sternennacht.
Das Salz der Karibik
vom Finger lecken.

 

Erwacht ins wirre Schreien
der Vögel.
Meeresrauschen.

 

2013-02-09-0221-Strand-Paamul-RV-Park-Yukatan-400x300

Strand Paamul RV-Park, Yukatan

 

Der lange Atem
des Meeres. Ein Leguan wirft sein Gesicht
auf zum Himmel.

 

2013-02-09-0283-Leguan-Paamul-RV-Park-Yukatan-400x300

Leguan im Paamul RV-Park, Yukatan

 

2013-02-11-0662-Morgenlicht-Paamul-RV-Park-Yukatan-400x300

Sonnenaufgang über dem Meer am Paamul RV-Park, Yukatan

 

Morgen am Restaurant.
Ein Maya wäscht
alle Fenster zum Meer.

 

Morgen am Meer.
Alle Fenster des Restaurants
stehen weit offen.

 

 

Tulúm

An der Ostküste von Yukatan, direkt am karibischen Meer: Eine 6 Meter dicke und 5 Meter hohe Mauer umschließt den kleinen Platz mit 50 Gebäuden oder Resten davon. Seine 6,5 Hektar sind sehr bescheiden im Vergleich zu anderen Maya-Städten. Wegen der guten Erreichbarkeit und fantastischen Lage ist Tulúm zusammen mit Chichén Itzá die meist besuchte Maya-Stätte, obwohl es architektonisch vergleichsweise wenig zu bieten hat.

Die Ruinen liegen auf einem Kliff, das durch eine Bucht unterbrochen ist, in der sich früher der Hafen befand. Ausgrabungen weisen auf eine Besiedlungsdauer von etwa 1.500 Jahren hin. Seine Blütezeit hatte der Ort erst spät, zwischen den Jahren 1200 und 1400 unserer Zeitrechnung. Tulúm war eine der wenigen Maya-Städte am Meer und im Jahr 1518, als die Spanier kamen, eine der wenigen noch bewohnten Städte. Die Hochkultur der Maya war zusammengebrochen. Im Jahr 1544 wurde Tulúm von den Spaniern erobert und von seinen Bewohnern aufgegeben.

Während der Kastenkriege von 1847 bis 1901 fungierte Tulúm dann aber als eines der Zentren der aufständischen Maya gegen die spanischstämmigen Großgrundbesitzer. Eine Maya-Priesterin praktizierte hier den Kult des Sprechenden Kreuzes (eine Mischung aus Maya-Riten und Christentum). Sie hatte außerdem die weltliche Macht inne und wurde deshalb auch ,Königin von Tulúm' genannt – obwohl Frauen bei den Maya sonst keine politischen oder religiösen Positionen einnahmen.

,Tulúm' heißt ,Mauer'. Früher hieß der Ort Zamá, das bedeutet Morgenröte oder Sonnenaufgang. Skulpturen eines ,Herabstürzenden Gottes' finden sich an mehreren Gebäuden. Die Beine der Figur zeigen gespreizt zum Himmel, der Kopf zur Erde. Dieser Gott soll den beginnenden Tag oder die Venus, den Morgen- und Abendstern, symbolisiert haben.

Auf dem höchsten Punkt des Kliffs liegt der Haupttempel El Castillo. Wie alle anderen Gebäude ist er nicht zugänglich. Die Leguane haben ungestörten Besitz von den Ruinen genommen. Nahe des Tempels führt eine steile Treppe zum kleinen Strand.

 

2013-02-10-0536-Ruinen-Meer-Tulum-Yukatan-400x300

Tulum, Yukatan

 

 

Valladolid

Eine Kleinstadt mit etwa 50.000 Einwohnern mitten in Yukatan, 40 Kilometer östlich von Chichén Itzá. Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt. Sie wurde 1545, etwa 20 Jahre nach der Eroberung Yukatans, auf der Maya-Stadt Zaci mit deren Steinen erbaut und nach der damaligen Hauptstadt Spaniens benannt.

Ein gitterförmiges Straßennetz, eher triste Außenbezirke, ein schöner Zócalo (so heißt der zentrale Platz jeder mexikanischen Stadt), auf seiner Südseite doppeltürmig die 1706 erbaute Iglesia San Gervasio.

 

2013-02-11-0694-Kirche-Valladolid-Yukatan-400x300

Kirche in Valladolid, Yukatan

 

Maisfladen und Bohnenmus –
die Ruhe
im großen Ess-Saal.

Wir sitzen in einer Esshalle am Zócalo, haben bestellt. Am Nachbartisch müht eine Frau sich, ihrem Sohn die Tortilla in den Mund zu schieben. Das Kind versteckt seinen Mund. Die Frau bemerkt, dass ich sie beobachte, lacht mich an.

 

 

Chichén Itzá

Eine ausgedehnte Ruinenstätte der Maya im Norden der Halbinsel Yukatan. Der Name bedeutet ,Am Brunnen der Itzá'. Itzá, so nannte sich dieses Volk der Maya. Chichén Itzá war ihre bedeutendste Stadt. Etwa 15 Quadratkilometer waren bebaut, freigelegt und rekonstruiert ist nur wenig davon.

Mit ,Brunnen' ist ein Cenote gemeint, eine Doline. Oberirdisch ist in Yukatan wenig Süßwasser zu finden. Das Gebiet ist flach, mit einem Kalksteinboden, durch den der Regen schnell versickert und sich unterirdisch sammelt, zugänglich nur durch Einstürze der Kalksteindecke, eben die Cenote.

Die Geschichte der Stadt ist weitgehend unbekannt. Ihre Anfänge reichen aber wohl 2.000 Jahren zurück. Etwa vom 8. bis zum 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung war die Stadt auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Danach, wahrscheinlich beginnend mit einem verlorenen Krieg gegen das etwa 80 Kilometer westlich gelegene Mayapán, verringerte sich die Bevölkerung immer mehr. Schließlich kamen nur noch Pilger, um Opfergaben abzulegen. Als die Spanier eintrafen, lag die Stätte verlassen.

Zweifellos hat die Stadt auch eine Verbindung mit den Tolteken, die vielleicht unter der Führung eines mythischen Königs Quetzalcoatl (toltekischer Name) oder Kukulkan (Maya-Name) aus der Stadt Tula in Zentral-Mexiko einwanderten und Chichén Itzá neue Impulse gaben. Ob das als Eroberer oder als Flüchtlinge geschah, ist unbekannt.

Besonders eindrucksvolle Bauten sind die große Stufenpyramide (Pyramide des Kukulkan), der Kriegertempel mit der Halle der 1.000 Säulen, der Große Ballspielplatz (der größte in Mexiko erhaltene, insgesamt gab es in der Stadt 12 solcher Plätze) sowie der Schneckenturm (ein Observatorium). Zahlreiche weitere Gebäude sind verfallen und noch nicht rekonstruiert.

Jährlich besuchen über eine Million Menschen den Ort. Die Wege sind dicht von Andenkenverkäufern gesäumt.

 

2013-02-11-0821-Cenote-Chichen-Itza-Yukatan-400x300

Cenote in Chichen Itza, Yukatan

 

Heiliger Brunnen –
ein Leguan schaut hoch
in das Licht.

 

Andenkenstände.
Am heiligen Brunnen plätschern
Radios.

 

Ein weiter Platz, ein Ball aus massivem Gummi, einige Spieler, einer davon soll nach dem Spiel geopfert werden. War es das Herz eines Siegers oder eines Verlierers?

Chichén Itzá –
auf dem Ballspielplatz
eine Pfütze.

 

2013-02-11-0891-Rueckseite-Kukulkan-Pyramide-Chichen-Itza-Yukatan-400x300

Pyramide des Kukulkan in Chichen Itza, Yukatan – nicht restaurierte Rückseite

 

2013-02-11-0854-Krieger-Tempel-Chichen-Itza-Yukatan-400x300

Krieger-Tempel in Chice←n Itza, Yukatan

 

Ein Straßenkehrer
fegt Staub zwischen Tempeln.
Chichén Itzá.

 

Vom Ballspielplatz ein Blick
auf die Pyramide des Kukulkan.
Stufen zum Tempel, über dem
noch immer der Himmel träumt
und Wolken ziehen.
Stufen, steil, mühsam zu steigen,
auf dem Weg in den Himmel,
um den doch nie zu erreichen.
Stufen, die niemand geht.
Die Pyramide ist abgesperrt.

Das Wasser im Brunnen kann
reden. Wir könnten lauschen an ihm.
Doch würde es still, dann klänge
der Schlag unseres Herzens
ganz laut.
Die Radios plärren.

 

 

Uxmal

Eine Stadt der Maya im flachen Tiefland Yukatans, etwa 80 Kilometer südlich von Mérida. Sie wurde etwa ab dem Jahr 400 erbaut und hatte zwischen 800 und 1000 nach der Zeitrechnung ihre Blüte. Etwa 25.000 Menschen lebten hier. Schon im 12. Jahrhundert lag die Stadt verlassen.

Die Geschichte Uxmals ist unbekannt. Zu Chichén Itzá und Mayapán gab es Beziehungen, zeitweise bestand eine Allianz, aber wahrscheinlich fanden auch Kriege statt. Die drei Städte gelten als gleich bedeutend.

Nur das Zentrum der großen Stadt ist restauriert und für Besucher erschlossen. Auffälligste Gebäude sind die 38 Meter hohe Pyramide des Zauberers, deren Ecken ungewöhnlich gerundet sind, bei ovalem Grundriss, und der 100 Meter lange sogenannte Gouverneurspalast, der auf einer Plattform erhöht angelegt ist. Auf einer Terrasse vor diesem Gebäude befindet sich ein zweiköpfiger Jaguarthron. Daneben gibt es zahlreiche weitere, kaum weniger beeindruckende Gebäude, auch weitere Pyramiden.

An vielen Gebäuden ist der rüsselnasige Gott Chaak dargestellt, der für Regen, Fruchtbarkeit und Landwirtschaft stand. Vom Regenwasser, gesammelt in natürlichen Senken und deren brunnenartigen Erweiterungen, war die Stadt abhängig.

 

2013-02-12-0512-Maya-Ruinen-Uxmal-Yukatan-400x300

Ruinen von Uxmal, Yukatan

 

2013-02-12-0430-Pyramide-des-Zauberers-Uxmal-Yukatan-400x300

Pyramide des Zauberers in Uxmal, Yukatan

 

Heiße Sonne
im Februar. Ein Hoch
dem Wind!

 

Licht von Uxmal –
ich suche
den heiligen Schatten auf.

 

2013-02-12-0495-Jaguarthron-Uxmal-Yukatan-400x300

Jaguarthron in Uxmal, Yukatan

 

Der Jaguarthron von Uxmal,
abgesperrt
für den Wind.

 

 

Kabah

Die Stadt wurde zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung errichtet. Als die Spanier kamen, lag sie verlassen.

Die große Pyramide ist noch nicht restauriert, auch nicht die meisten anderen Bauwerke. Auffälligstes wiederhergestelltes Gebäude ist der 45 Meter lange Palast der Masken.

Kabah ist deutlich kleiner als Uxmal und war mit diesem durch einen 18 Kilometer langen und 5 Meter breiten Dammweg verbunden, der wohl zeremoniellen Zwecken diente. Der Torbogen an seinem Beginn steht noch. Die Straße selbst ist weitgehend verschwunden.

 

2013-02-12-0522-Palast-der-Masken-Kabah-Yukatan-400x300

Palast der Masken in Kabah, Yukatan

 

2013-02-12-0563-Tor-Strasse-Kabah-Yukatan-400x300

Tor von Kabah, Yukatan – Beginn des Dammwegs nach Uxmal

 

Grüne Wogen des Urwalds
züngeln –
am Dammweg von Kabah.

 

Wir verlassen Kabah auf dem Weg nach Campeche.

Yukatan ist flach, die Straßen verlaufen weite Strecken schnurgerade. Links und rechts liegt Buschland, ein Regenwald, mit nur gelegentlich höheren Bäumen. Dieser Wald ist sehr dicht, man kann nicht einfach hinein, es gibt nicht nur Schlangen. Die Landstraße säumt ein Stacheldrahtzaun.

Auf der Straße immer wieder Bremsschwellen. An solchen Stellen, wo Schritttempo gefahren werden muss, haben sich Straßenhändler postiert.

Wir kommen durch Maya-Dörfer. Manche Häuser sind gemauert, mit Flachdach, andere haben Wände aus Baumstämmchen, die ein kegelförmiges Strohdach tragen, und innen baumelt eine Hängematte. Alles wirkt arm. Schönheit scheint sich niemand leisten zu können.

 

Abgeerntete Felder.
Ein Vogelschwarm steigt auf
in den Himmel.

 

Maya-Ruinen.
Über dem Mais-Silo
zieht der Himmel.

 

Maya-Ruinen.
Die Frontscheibe des Busses
hat einen Sprung.

 

 

Campeche

Die Stadt Campeche liegt am Golf von Mexiko an der Westküste der Halbinsel Yukatan und ist Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats. Im Jahr 1540 legten die Spanier sie bei einer Maya-Siedlung an. Sie wurde der wichtigste Hafen von Yukatan (der historische Hafen ist heute allerdings verlandet) und Einfallstor der Spanier für die Eroberung Yukatans. Heute hat Campeche etwa 220.000 Einwohner.

Gegen britische und niederländische Seeräuber entstanden ab dem Jahr 1688 Befestigungsanlagen, Deshalb wurde Campeche als eine von wenigen Städten Yukatans während der Kastenkriege 1847-1901 nicht von den aufständischen Maya eingenommen.

 

2013-02-13-0961-Meer-Hof-Hotel-Campeche-Yukatan-400x300

Campeche, Yukatan

 

Vier schmächtige Katzen lungern an den verrotteten Baumaterialien, die den weiten Asphalthof unseres Hotels zum Nachbarn hin säumen. An einem Schwimmbecken stehen elegante gusseiserne Tische und Stühle.

Wir schlendern auf der Promenade am Meer. Es ist schon spät, in die Altstadt wollen wir nicht. Sie soll sehr schön sein.

Fast die ganze Nacht durch bellen Hunde. Die Hähne können sich am Morgen kaum durchsetzen.

Aber das Licht.

 

Morgen in Mexiko.
Die Stille
im Duft der Blüten.

 

2013-02-13-0971-Morgendaemmern-Meer-Campeche-Yukatan-400x300

Morgendämmern am Meer in Campeche, Yukatan

 

Nach dem Frühstück fahren wir zunächst an der Küste entlang. Schon gestern haben wir den endlos scheinenden Buschwald verlassen. Wir passieren Plantagen, Maisfelder, Weiden.

 

Ein offener Kleinlastwagen.
Auf der Ladefläche zwischen Gerümpel
drei Mexikaner. Der Wind vom Golf
bläht ihre Hemden auf. Der Morgen ist jung,
es wird eine lange Fahrt.

 

Die vielen Schatten
der Sonne.
Zuckerrohrfelder.

 

Wir halten am Meer. Zahlreiche Pelikane sitzen auf den Uferbefestigungen. Ich versuche, Möwen zu filmen, die sich ins flache Küstengewässer stürzen und Fische fangen. Sie sind blitzschnell.

 

Ein Pelikan schlägt mit den Flügeln.
Andere hocken nur da, auf der Sperrmauer,
auf Pfählen im Wasser.
Den Golf von Mexiko kräuseln Wellen.
Nur hinter den schnellen Schiffen
zum Horizont
zeigt sich das Wasser weiß.

 

2013-02-13-1018-Pelikane-bei-Campeche-Yukatan-400x300

Pelikane bei Campeche, Yukatan

 

 

Palenque

Die Stadt gehört der klassischen Maya-Periode an, die nach unserer Zeitrechnung etwa zwischen den Jahren 300 und 900 datiert wird. Sie gilt als schönste der im heutigen Mexiko gelegenen Stätten. Erste Siedlungsspuren stammen aus dem 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Als erster Herrscher Palenques und Stammvater der bis zuletzt regierenden Dynastie der Pacal ist Bahlum-Kuk verzeichnet (Thronbesteigung im Jahr 431).

Ab dem 6. Jahrhundert war die Stadt eine lokale Großmacht. Sie beherrschte ein weites Gebiet der heutigen Bundesstaaten Chiapas und Tabasco und war in Kriege verwickelt, so im Großkonflikt der damaligen Zeit zwischen Tikal und Calakmul auf Seite des ersteren. Ihre Blütezeit wird gegen 650-750 nach der Zeitrechnung angegeben, unter den Königen Pacal der Große und seinem Sohn Chan-Bahlum II. Fast alle restaurierten Gebäude wurden damals errichtet.

Gegen das Jahr 800 scheint die Stadt als eines der ersten Maya-Zentren der klassischen Zeit zusammengebrochen zu sein. Die Gründe sind unbekannt.

Palenque liegt auf einer terrassenartigen Fläche der Hügel des Hochlands von Chiapas. Bäche fließen durch die Stadt. Ein kleiner Teil der Gebäude ist freigelegt, der Großteil liegt überwuchert im Dschungel.

Der ,Palast' mit seinem dreistöckigen Turm und der ,Tempel der Inschriften' (eine Stufenpyramide mit Tempel) liegen sich gegenüber und bilden das Zentrum der Stadt. Südöstlich davon liegen an einem Platz auf Pyramiden drei Tempel, in denen vermutlich die drei lokalen Gottheiten angebetet wurden, auf welche die Herrscherfamilie ihren Ursprung zurückführte: Der Sonnentempel, der Tempel des Blätterkreuzes und der Kreuztempel werden zusammen die ,Kreuzgruppe' genannt.

Gleichfalls beeindruckend ist die Umgebung der Stadt, der Urwald.

 

2013-02-13-1166-Ruinen-Palenque-Yukatan-400x300

Ruinen von Palenque, Yukatan

 

2013-02-13-1151-Relief-Palenque-Yukatan-300x400

Relief in Palenque, Yukatan

 

Singend eine Ruine
hochschauen –
der Himmel Palenques.

 

Ein Schmetterling flattert
hoch über Stufen,
zum Sonnentempel.

 

Lianen hängen von Baumriesen
in Maya-Ruinen.
Brüllaffen-Schreie.

 

2013-02-13-1369-Wasserfall-Palenque-Yukatan-400x300

Wasserfall in Palenque, Yukatan

 

Am nächsten Morgen fahren wir durch schwül-dichtes Grün. Überall im Regenwald, auch an steilen Hängen, ziehen sich Streifen mit Mais hin, sorgfältig angebaut. In diesem Hügelland leben nur Maya.

Straßendörfer. Hühner spazieren über die Fahrbahn. Kinder, Erwachsene in kleinen Geschäften. Die Hoffnung der Ladenbesitzer, dass ein Bus vorbeikommt und ein paar Colaflaschen kauft. An den Häusern Bananenstauden. Die stammen aus Asien. Die Maya mussten das Schlechte übernehmen, also übernahmen sie auch das Gute.

Elisabeth erzählt, dass sie als junge Frau Krankenschwester und Hebamme bei den Maya werden wollte. Wir schauen zum Fenster hinaus und finden, dass die Maya auch ohne sie zurechtgekommen sind. Vielleicht da, die Bretterhütte am Straßenrand neben dem kümmerlichen Abarrotes: Winkt dort nicht jemand zum Fenster heraus?

Die Häuser der hiesigen Maya-Dörfer: leicht geneigte Wellblechdächer, die Wände Blöcke aus Porenbeton oder einfach Holzlatten. Heizung gibt es keine. Aber zum Kochen ist Feuerholz nötig. Die Häuser sind klein und wirken ärmlich.

Hügel ziehen sich höher und höher, die Straße windet sich holpernd mit. Alles ist dunstig. Immer noch Maisflächen in den Regenwald hinein. Industriell lässt sich hier nicht wirtschaften. Das Land wird den Maya-Familien nicht streitig gemacht.

Hier und da Satellitenempfänger an den Hütten. Autos scheinen die Menschen kaum zu besitzen. Ab und zu sehen wir ein Fahrrad.

 

 

Kaskaden von Agua Azul

Über 500 sollen es sein, zwischen zwei und 30 Meter hoch: Die Kaskaden Agua Azul (,Blaues Wasser') des Rio Yax gelten als schönste Wasserfälle Mexikos. Sie liegen im Bundesstaat Chiapas, 69 Kilometer südwestlich von Palenque inmitten tropischer Vegetation. Die Farbe des Wassers reicht von Azur bis Smaragd. In der Trockenzeit von Dezember bis Mai (wir haben Februar) sind die Farben am schönsten. Wenn es geregnet hat, wechselt die Farbe des Wassers ins Braune. An Treppen entlang ziehen sich Läden die Fälle hoch. Das Gebiet ist Gemeinschaftsbesitz der Einheimischen, die deshalb Eintritt verlangen und Waren zu verkaufen versuchen.

 

2013-02-14-0456-Kaskaden-Agua-Azul-Chiapas-300x400

Kaskaden von Agua Azul, Chiapas

 

Kaskadenbrausen.
Eine Frau fegt den Urwald
aus ihrem Verkaufsstand.

 

2013-02-14-0494-Kaskaden-Agua-Azul-Chiapas-400x300

Kaskaden von Agua Azul, Chiapas

 

Wir fahren durch Berg-Regenwald. Wir begegnen Wolken.

 

Grüne Hügel
im Dunst. Wir sind aus
Wolken gemacht.

 

Straßenarbeiten.
Der Betonmischer dreht sich
im Regenwald.

 

Kaffeebohnen trocknen
am Wegrand. Wir fahren
immer weiter.

 

Am Straßensaum
Maya – mit dem Rechen wenden sie
Kaffeebohnen.

 

Der Maya-Junge:
Wie eine Puppe hält er
die Colaflasche.

 

Die Wäscheleine –
im Wind auf dem Dach
zwischen Stahlträgern.

 

 

San Christóbal de las Casas

Die Stadt liegt auf 2.100 Metern Höhe im zentralen Hochland von Chiapas und hat etwa 160.000 Einwohner. Im Jahr 1528 wurde sie von den Spaniern gegründet. Hier im Hochland ist es mit etwa 20 Grad angenehm kühler als im Tiefland der Maya. Die erhaltenen Kolonialbauten sind wichtiges Touristenziel. Den heutigen Namenszusatz trägt die Stadt zu Ehren von Bartolomé de Las Casas, einem spanischen Priester, Mitglied des Dominikanerordens zur Zeit der Eroberung, der sich sehr für die Rechte der Indigenen eingesetzt hat.

Im Jahr 1994 begannen hier die Zapatisten – meist Maya – ihre Aktionen. Sie sind bis heute präsent und treten immer wieder überraschend an die Öffentlichkeit. Obwohl im Kern eine Guerilla, liegt ihr Ziel nicht in einer Übernahme der Macht, sondern in der Vertretung der Interessen der indigenen Bevölkerung gegenüber den Großgrundbesitzern und dem Staat. Mottos wie „Eine andere Welt ist möglich“ oder „Fragend suchen wir den Weg“ oder originelle Äußerungen ihres Sprechers ,Subcomandante Marcos' wie „Es ist nicht nötig, die Welt zu erobern. Es genügt, sie neu zu schaffen“ haben der Bewegung weltweit große Sympathie eingebracht. Und sie hat in Mexiko einiges zum Besseren bewegt. Die Kluft zwischen den Großgrundbesitzern, meist Nachkommen der Eroberer, und den Indigenen ist noch immer sehr groß.

 

2013-02-14-0675-Strasse-San-Cristobal-de-las-Casas-Chiapas-400x300

Straßenszene in San Cristobal de las Casas, Chiapas

 

2013-02-15-0696-Stand-Strasse-San-Cristobal-de-las-Casas-Chiapas-400x300

Ess-Stand in San Cristobal de las Casas, Chiapas

 

Maya-Markt.
In das Abenddämmern
Waren verstauen.

 

Morgenschreie
der Vögel. Der Stadtlärm
antwortet nicht.

 

Auf unserer Fahrt zum Cañón del Sumidero halten wir in einem Dorf. Der Markt ist leer, bis auf einen Metzgerstand. Die Männer haben Fleisch aufgehängt und wollen nicht fotografiert werden. Einige Frauen und Kinder gehen vorbei, fast alle in traditionellen Gewändern: dunkler Rock (schwarz oder tieflila) und eine bunte, aber dunkel gehaltene Oberbekleitung in den Farben des Dorfs. Einige Männer stehen in einer Gruppe zusammen, die glänzenden schwarzen Haare kurzgeschnitten, manchmal stachelartig hochgekämmt.

In der Kirche zündet ein Mann Kerzen und Räucherstäbchen an, kniet hin und betet inbrünstig. Auch eine Frau ist anwesend, geht aber dann.

Vor den Kerzen stehen Tiere aus Ton: Nahuales. Wir erfahren, dass jedes Neugeborene nach dem Geburtsdatum einem Tier zugeordnet wird. Die Tonfiguren symbolisieren diese Tiere. Vor den Nahuales werden Kerzen oder Räucheropfer abgebrannt und die Menschen beten dazu. Die Einheimischen glauben, dass die Götter bei der Geburt dem Kind seine Seele einhauchen – und gleichzeitig auch einem Tier, so dass ihre Lebenskräfte miteinander verbunden sind.

 

2013-02-15-0718-Nahuales-Dorfkirche-bei-San-Cristobal-de-las-Casas-Chiapas-400x300

Nahuales in einer Dorfkirche bei San Cristobal de las Casas, Chiapas

 

2013-02-15-0721-Dorf-bei-San-Cristobal-de-las-Casas-Chiapas-400x300

Straßenszene in einem Dorf bei San Cristobal de las Casas, Chiapas

 

Terrassen im Dunst.
An Drähten hängend warten
Passionsfrüchte.

 

Ein Mann mit Sack
steht im Maisfeld – schaut
in der Berge Dunst.

 

Auf der Straße von den Hügeln ins Tal treffen wir auf einen Kontrollpunkt des Militärs. Auf beiden Straßenseiten liegen mit Sandsäcken geschützte Stellungen. Vor uns wird ein Privatauto untersucht. Wir werden aus dem Bus gewunken. Drei Militärs, einer davon mit Maschinenpistole, fordern uns auf, auszusteigen. Die Gepäckluke wird geöffnet, einer der Soldaten kontrolliert drei Koffer, packt alles ordentlich wieder zusammen. Dann geht er kurz durch den Bus, schaut sich um. Wir dürfen wieder einsteigen und weiterfahren.

 

 

Cañón del Sumidero

Die vom Río Grijalva durchflossene Schlucht im Bundesstaat Chiapas ist Hauptbestandteil des gleichnamigen Nationalparks. Von den bis zu 1.000 Metern aufragenden Felswänden sollen sich zur Zeit der spanischen Eroberung hunderte von Frauen und Kinder der Chiapa-Maya gestürzt haben, um der Versklavung zu entgehen. Heute bieten Gesellschaften Ausflüge mit Motorbooten an.

 

2013-02-15-0964-Canon-del-Sumidero-Chiapas-300x400

Canon del Sumidero, Chiapas

 

Das Grün des Flusses,
die Wand der Schlucht steigt es hoch,
als Grün der Bäume.

 

Cañón del Sumidero.
Eine Colaflasche auf ihrem Weg
in den Atlantik.

 

Auf Uferbäumen sitzen Reiher und Kormorane. Putengeier bevölkern ein Stück Ufer und fächeln sich mit ihren Flügeln Kühle zu. Die Krokodile sind an Touristen offensichtlich gewohnt. Sie sonnen sich mit offenem Rachen und lassen sich von den lauten Booten nicht stören.

Die harten Schläge, wenn wir durch die Wellen eines entgegenkommenden Motorboots brechen.

Oft gehen die Wände der Schlucht fast senkrecht nach oben. Wenn Raum für Bäume ist: Fächer in allen Varianten von Grün.

 

2013-02-15-0942-Reiher-Canon-del-Sumidero-Chiapas-300x400

Reiher im Canon del Sumidero, Chiapas

 

 

Tapanatepec

Ein Städtchen im Westen des Isthmos von Tehuantepec. Wir übernachten hier nur.

 

Kühles Wasser.
Ein Hahn kräht
ins Lasterrauschen.

 

Der Fernfahrer
startet seine Maschine.
Ein Hahn kräht.

 

In der Hängematte:
Mein Schaukeln
schaukelt die Welt.

 

Mitreisende haben an einem Stand auf der anderen Straßenseite Mangos gekauft, die hier reif an den Bäumen hängen. Auch ich probiere.

An beiden Straßenrändern vor dem Hotel parken über Nacht große Lastkraftwagen. Einer der Fahrer hat seine Übernachtungskabine offengelassen, vielleicht um zu lüften, während er über die Straße in das kleine Restaurant ging. Wir spähen hinein ...

Unser Bus trägt uns weiter.

 

2013-02-16-0273-Busch-Oaxaca-300x400

Busch, Oaxaca

 

Windmühlen.
Niedrig ziehen die Wolken
der Sierra Madre.

 

Schwere Wolken.
Wo der Pazifik sein soll,
nur ein Lichtstreif.

 

2013-02-16-0333-Kaktus-Landschaft-Oaxaca-300x400

Kaktus, Oaxaca

 

Kakteen.
Ein Pferd schaut in den Wind
vom Atlantik.

 

Sierra Madra.
Ein Stacheldrahtzaun schützt
vertrockneten Mais.

 

Agavenfeld.
Schwarze Felsen verströmen
Stille.

 

Sierra Madra.
Auf einem Rohbau der blaue
Satellitenempfänger.

 

Agavenherzen,
auf einen Laster geworfen. Männer
schauen uns an.

 

Palisanderbäume
in blauer Blüte.
Ein Mezcal-Ausschank!

 

 

Mitla

Die Stadt liegt 1.480 Meter über dem Meer und hat etwa 7.500 Einwohner. In ihrer Blütezeit waren es 10.000. Diese Stadt der Zapoteken ist bereits etwa 2.500 Jahre alt. San Pablo Villa de Mitla lautet der heutige Ortsname. Mitla blüht auf, als sich das benachbarte größere Zapoteken-Zentrum Monte Albán im Niedergang befindet. Teile der heutigen Stadt stehen auf den vorspanischen Stätten. Erhaltene Ruinen liegen im Norden des Orts. Paläste herrschen vor. Als charakteristisch gelten die geometrischen Mosaiken, so Stufenmäander und Zackenbänder.

 

Im Hochland –
wir sind der Sonne
ferner.

 

2013-02-16-0377-Ruinen-Mitla-Oaxaca-400x300

Ruinen von Mitla, Oaxaca

 

 

Monte Albán

Zehn Kilometer von der modernen Großstadt Oaxaca entfernt, liegt die ehemals wichtigste Stätte der Zapoteken. Weithin sichtbar erhebt sich ,Monte Albán', der ,weiße Berg', 1.940 Meter über das Meer und 400 Meter über die Ebene.

Vor 2.800 Jahren schon begann die Besiedlung der Gegend, wohl durch Olmeken, das vielleicht erste Kulturvolk Zentralamerikas, 300 Jahre später dann die Besiedlung des Monte Albán. Die Bergkuppe wurde abgeflacht und auf dem entstandenen Plateau von etwa 200 x 300 Metern ein religiöser Ort ersten Ranges geschaffen.

Auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung im 5. und 6. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung lebten etwa 25.000 Menschen an den Berghängen. Es gab Handelsbeziehungen zu den Maya und zu Teotihuacán. Um das Jahr 950 wurde das Zentrum aufgegeben und diente nur noch als Begräbnisstätte, seit etwa dem Jahr 1250 herrschen Gräber von Mixteken vor. Die Zapoteken bauten in dieser Zeit Mitla als neuen Hauptort aus. Im Jahr 1458 eroberten die Azteken, 1521 die Spanier das Oaxaca-Tal und den Monte Albán.

Die Gebäudekomplexe wirken durchkomponiert, aber sie wurden in unterschiedlichen Stilen und zu unterschiedlichen Zeiten errichtet.

 

2013-02-17-0531-Monte-Alban-Oaxaca-400x300

Monte Alban, Oaxaca

 

2013-02-17-0661-Taenzer-Relief-Monte-Alban-Oaxaca-300x400

,Tänzer'-Relief auf dem Monte Alban, Oaxaca

 

Steinplatten mit Reliefs von Menschen sind ein Charakteristikum des Monte Albán. Früher wurden die Abbildungen als Tänzer gedeutet. Inzwischen herrscht die Auffassung vor, dass es sich um gefolterte und verstümmelte Gefangene handelt, vielleicht manchmal um Oberhäupter von eroberten Orten.

 

Monte Albán.
Kakteen richten Stacheln
zur Sonne.

 

Ein Steinritz
in den Ruinen – sein Versuch
roter Blumen.

 

,Weißer Berg' – der Name bezieht sich vielleicht auf die manchmal durch Blüten weißen Hänge.

Monte Albán.
Die weißen Blüten –
verweht.

 

Ruinenstätte.
Über dem Staub fliegt
ein Schmetterling.

 

Die Glyphen
der Gräser im Wind.
Monte Albán.

 

 

Oaxaca de Juárez

Die Hauptstadt des Bundesstaats Oaxaca hat etwa 270.000 Einwohner und liegt im Valle Central der Sierra Madre del Sur, etwa 1.550 Meter über dem Meer. Obgleich auf dem Stadtgebiet schon früh Indigene lebten, wird die heutige Stadt als spanische Kolonialgründung bezeichnet.

Tourismus ist der bedeutendste Wirtschaftszweig (über dem Häusermeer erhebt sich der Monte Albán). Dennoch gilt die Stadt als arm, mit großen ökologischen Problemen wegen Abholzung und Überweidung.

 

Im Garten vor dem Restaurant unserer Hotelanlage beginnt gerade eine mexikanische Hochzeit. Schwarze Limousinen fahren fast geräuschlos vor und entlassen korrekt gekleidete Herren in schwarzen Anzügen, eingehakt Damen mit Kleidern aus rotem Satin.

Vorher sahen wir die Braut: Ein breites weißes Kleid, Stöckelschuhe mit Pfennigabsätzen. Octavio Paz schrieb: „Der einzige Luxus des Mexikaners sind seine Feste.“ Die Teilnehmer dieser Hochzeit kennen vom Luxus noch mehr. Während wir reisen, wird als reichster Mensch der Welt ein Mexikaner geführt.

Eine Kapelle spielt mitreißenden Mexpop, bis weit in den nächsten Morgen hinein.

 

Auf dem Gartenweg
eine Rose.
Mexikanische Hochzeit.

 

Mexikanische Hochzeit.
Die beiden Tauben im Käfig
gurren.

 

Santo Domingo.
Das verbissene Schweigen
des Goldes.

 

Alte Bibliothek.
Alle Bücher
hinter Gittern.

 

An der Markthalle
eine Kirche – die Gläubigkeit
der Blumen.

 

Taxi in Oaxaca.
Beethovens Lied der Freude
scheppert mit.

 

Der Zeitungsverkäufer
legt Steine auf seine Stapel.
Morgenwind.

 

An Kontrollpunkten, auch an Autobahnzahlstationen, steht immer wieder Militär. Meist sind es drei Mann auf jeder Straßenseite, mit Maschinenpistolen. Die Soldaten scheinen korrekt und machen uns keine Angst.

Wir hören, dass hier im südlichen Mexiko gar nicht der Drogenschmuggel oder Bandenkriege Hintergrund für die Kontrollen sind, sondern Durchreisende aus Mittel- und Südamerika, die in die USA wollen, um dort Arbeit zu finden. Dazu gäbe es ein Abkommen zwischen den Staaten: Mexiko kontrolliert die Wanderrouten und schickt möglichst viele Menschen zurück, die USA bezahlen dafür.

 

2013-02-18-1008-Strasse-Landschaft-Oaxaca-400x300

Straße und Landschaft, Oaxaca

 

Auch in Oaxaca gibt es auf den Straßen Bremsschwellen, fast immer gut beschildert. Die Verkehrswege sind ansonsten recht ordentlich. Die Häuser werden auch in Stadtzentren nicht mehr als zwei-, weit überwiegend nur eingeschossig gebaut, wegen der Erdbebengefahr. (Erst in den Millionenstädten wird das anders sein.) Auf fast allen Dächern sind große Gasbehälter montiert.

Schon ein Blick auf die Straße offenbart die Kluft zwischen Reich und Arm. Aber auch die Armen scheinen nicht zu hungern und sind gut gekleidet. Wir sehen nur wenige Bettler. Wer Geld möchte, versucht etwas dafür zu tun, etwa zu singen oder Waren zu verkaufen. Die Häuser allerdings, gleichgültig ob arm oder reich, sind heruntergekommen.

Das Hochland, durch das wir fahren, ist braun, auch das Gras. Grüne Flecken zeigen die vereinzelten Baumkronen. Manche Bäume tragen Herbstlaub. Und manche, wenige, Blüten. In den Tiefebenen gab es viel mehr Grün.

Die Leute sind immer freundlich, wenn man ihnen zulächelt. Es ist eine unaufdringliche Freundlichkeit, die erst schaut, was der andere macht und dann darauf reagiert.

Ganze Arbeitsmannschaften sitzen hinten auf der Ladefläche von Kleintransportern. Wir erfahren, dass an manchen Kreuzungen Oaxacas früh morgens Tagelöhner engagiert werden. Maschinen sehen wir nur wenige. Dafür gibt es viel Handarbeit. Auch Gerüste an Häusern sind oft mit Holzteilen und Ästen improvisiert.

In den Kirchen zeigt sich eine selbstverständliche Religiosität mit Blumen, Kerzen, Madonnenfiguren. Religion wird nicht hinterfragt, sondern gelebt. Die Madonna ist dabei am wichtigsten. In allen Kirchen hängen Bilder der schwarzen Madonna, der Jungfrau von Guadalupe.

Tiere weiden in kleinen Herden, draußen Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen, um die Häuser auch Schweine, Hühner, auch mal Truthähne. Das Vieh wirkt eher mager und scheint Kleinbauern zu gehören. Massentierhaltung haben wir nicht gesehen.

 

Das Taxi, mit dem wir letzten Abend heimkamen, schepperte erbärmlich, offenbar war etwas defekt, was den Fahrer aber nicht zu beunruhigen schien. Unser abgezähltes Geld wurde sofort akzeptiert. Nichts wirkt verschlagen oder bis zum Letzten verhandelt.

Auf dem Markt gab es Körbe mit schwarz gebratenen Heuschrecken, die geknabbert werden – aber, selbst gesammelt, auch ein Gericht armer Leute sind. Auch Würmer gibt es als Knabberzeug. Und ein paar kommen in eine halbjährig gelagerte Mezcalflasche, zur ,Geschmacksverfeinerung'. Im einjährig gelagerten sind sie angeblich nicht.

 

Orangensaftbecher –
die Stimme der Frau im Plastik
vibriert.

 

Wolken und Dunst –
wir staunen in die Schemen
des Citlaltépetl.

Der höchste Berg Mexikos, ein Vulkan, er reicht 5.636 Meter über das Meer. Wenn er uns sehen könnte, was wären wir ihm? Unruhige Eintagsinsekten um seine stille Masse herum. Die doch auch fließt.

 

Die Hand des Hirten
lenkt mit einem Stecken den Staub.
Schafe durchstreifen das Hochland.
Im dürren Gras
verwandeltes Licht.

 

 

Puebla

Die Stadt liegt in Zentralmexiko, auf einer Talebene der Sierra Nevada 2.175 Meter über dem Meer. Puebla ist Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und hat etwa 1,5 Millionen Einwohner.

Etwa 40 Kilometer westlich der Stadt ragen die Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl auf. Sie trennen die Hochtäler von Puebla und von Mexiko-Stadt. Die Hauptstadt von Mexiko liegt weitere 70 Kilometer nordwestlich des Berggürtels, zu dem die Vulkane gehören.

Die Durchschnittstemperatur in Puebla liegt bei 25 Grad und schwankt das Jahr über wenig. Der Winter ist trocken, Niederschläge fallen von Mai bis Oktober.

Puebla wurde 1531 von den spanischen Eroberern gegründet, als Station zwischen dem Hafen Veracruz und Mexiko-Stadt. In der Stadt befindet sich die älteste Universität Mexikos. Berühmt ist das 1535 gegründete Kloster Santo Domingo.

Wegen der Erdbebengefahr gibt es weniger mehrstöckige Häuser als in einer Stadt dieser Größe zu erwarten wären. Die Stadt erstreckt sich deshalb über ein weites Gebiet.

Größter Arbeitgeber ist Volkswagen.

 

2013-02-18-1098-Bank-Baum-Puebla-400x300

Fußgängerzone in Puebla – Bank und Baum, ineinander verwachsen

 

2013-02-18-1166-Strasse-Puebla-300x400

Straße in Puebla

 

In den Außenbezirken gehen an den Ampeln bei Rot Straßenhändler die Autoreihen entlang. Auch die Zeitungsverkäufer am Morgen machen es so.

Von der Fußgängerzone biegen wir in ein überdachtes Einkaufszentrum. Ich kaufe Pommes frites, kaum gesalzen und kalt. Aber sie schmecken. Am Zócalo beobachten wir Tauben und Menschen.

Puebla ist ersichtlich wohlhabender als alles, was wir bisher sahen. Die Menschen sind trotzdem freundlich.

 

2013-02-19-0178-Dorfkirche-bei-Puebla-300x400

Dorfkirche bei Puebla

 

Auf der Weiterfahrt zu unserem Übernachtungsplatz besichtigen wir zwei Dorfkirchen.

 

Die Armut des Dorfs –
im Blattgold der Kirche
zeigt sie zum Himmel.

 

„Fotografieren verboten“.
Der Duft
der Gladiolen.

 

Die Dorfkirche wird von Touristen überrannt. Und nun, wo sich die Kirchengemeinde darauf eingestellt hat und Nutzen daraus ziehen möchte, nun, wo sie eigene Postkarten verkauft und deshalb das Fotografieren verboten hat, wirkt sie unfreundlich.

Wir reden mit dem Himmel.

 

2013-02-19-0219-Abenddaemmerung-Popocatepetl-Puebla-400x300

Der Vulkan Popocatepetl in der Abenddämmerung, bei Puebla

 

 

Cholula

Am Fuß des Vulkans Popocatépetl, 2.146 Meter über dem Meer und nur 15 Kilometer westlich von Puebla, liegt Cholula. Mit etwas über 100.000 Einwohnern ist die Stadt etwa so groß wie zur Zeit ihrer Eroberung durch die Spanier.

In den Jahren 725 bis 1525 war Cholula ein bedeutendes spirituelles Zentrum des Hochtals. Besiedlungsspuren reichen bis zwei Jahrhunderte vor unsere Zeitrechnung. Zur Zeit der spanischen Eroberung war die Stadt den Azteken tributpflichtig. Cortez ließ bei seinem Einmarsch im Jahr 1519 nach einem Festmahl mehrere Tausend Menschen massakrieren, wegen Berichten über einen bevorstehenden Angriff.

Die große Pyramide von Cholula war wahrscheinlich schon zu Cortez' Zeiten kaum mehr als solche erkennbar. Sie ist breiter und war früher vielleicht sogar etwas höher als die Sonnenpyramide von Teotihuacán, Deshalb gilt sie als größte Pyramide Amerikas und dem Volumen nach als größte Pyramide der Welt. Heute wirkt sie wie ein natürlicher Hügel, nur ein winziges Stück ist restauriert. Wahrscheinlich war sie dem Quetzalcoatl geweiht. Die Spanier errichteten auf dem Gipfelplateau aus Steinen indigener Tempel eine Kirche.

 

2013-02-19-0283-Vulkane-Popocatepetl-und-Iztaccíhuatl-Cholula-400x300

Die Vulkane Popocatepetl und Iztaccihuatl, Cholula

 

Die beiden Vulkane Popocatépetl (übersetzt ,stark rauchender Berg', 5.462 Meter hoch) und Iztaccíhuatl (übersetzt ,schlafende Frau', 5.230 Meter hoch) sind der zweit- und der dritthöchste Berg Mexikos. Sie können als ein kniender Mann und eine liegende Frau gesehen werden.

Der aztekischen Legende nach war die Frau eine Prinzessin und der Mann ein Krieger. Er sollte ein Heer führen und sich in der Fremde bewähren, um sie heiraten zu können. Monatelang blieb er aus. Als das Gerücht aufkam, er sei gefallen, starb sie vor Gram. Popocatépetl kam zurück, trug sie in die Berge und kniete mit einer Fackel an ihrem Leichnam. Die Götter verwandelten beide in Berge und deckten sie mit Schnee zu. So wartet Popocatépetl noch heute, dass seine Frau aus ihrem Schlaf erwacht.

Der Mythos berichtet auch, dass der Regengott, der im Schnee der Berge lebt, Opfer fordert. Noch heute bekommen die Vulkane von der Landbevölkerung heidnisch-christliche Opfergaben, mit der Bitte um Regen. Ausgewählte Männer und Frauen steigen im März hoch auf 4.200 Meter, tanzen dort und legen die Gaben ab.

 

I

Cortez ließ Steine türmen,
und eine Kirche entstand auf dem Hügel,
für die heilige Jungfrau.
Da schaut sie nun auf Vulkane,
die schlafende Frau, ihre Schwester,
bewacht vom Krieger, der sie heiraten wollte,
aber zu spät kam.

Die Jungfrau hat sich zurückgezogen
in das Holz ihrer Verzweiflung
und die Welt ganz durchdrungen,
um nirgendwo Bestimmtes zu sein.
Unter ihr liegt eine Millionenstadt.
Nur aus der Fackel des Mannes
steigt eine Wolke.

 

II

Ein Vogel schaut vom Baum
auf das geöffnete Tor,
durch das Menschen strömen
zu den siegreichen Göttern,
in dieses Klingen und Schwingen,
das eigene Herz.

Der Vogel flog herüber
von den Vulkanen, die immer noch
schlafen, die eines Tages
die Welt neu gestalten,
mit wahren Kirchen
und wahren Palästen.

 

III

Jahrtausende sahen die Vulkane hinab
auf die Ebene, aus der, tief unten,
Steine sich lösten und schichteten,
aus der eine Pyramide wuchs.

Ameisen sahen sie, die bildeten Heere,
aus Staubwolken zornige Blitze und Tänze,
den Wechsel von Ernte und Saat –
und wie die Pyramide zerfiel.

Auf dem Hügel richteten Steine sich neu.
Gesänge rufen nun die Jungfrau Maria,
unverstehbar, aus denen aber die Kraft stammt,
die immer noch anschwillt.

Die Vulkane schweigen,
vielleicht Jahrtausende noch.

 

 

Ein Lastwagen
voll Blech,
vorbei an Vulkanen.

 

Opunzienfelder.
Die Leere
des Himmels.

 

 

Teotihuacán

Die Stätte liegt in einem Hochtal etwa 45 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt. Der frühere Name der Stadt und ihrer Gebäude ist unbekannt, es gibt keine schriftlichen Zeugnisse. Die Besiedlung des Ortes begann im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Etwa ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde durch einen Vulkanausbruch die größte konkurrierende Stadt des Tals zerstört. Die Einwohnerzahl von Teotihuacán stieg daraufhin stark an.

Etwa 100 bis 650 Jahre nach unserer Zeitrechnung war die Stadt die größte Metropole Amerikas und mit 200.000 Einwohnern auf 20 Quadratkilometern Fläche auch weltweit eine der bedeutendsten Städte. Am Ende lebte fast die gesamte Bevölkerung des Tals in der Stadt. Um das Jahr 750 brach sie zusammen: An die wichtigsten Gebäude wurde Feuer gelegt und die Stadt fast vollständig verlassen. Anzeichen für eine militärische Einwirkung von außen gibt es nicht.

Die Anlage der Stadt und ihrer Gebäude ist streng geometrisch. Im Zentrum steht die Sonnenpyramide, nach der Pyramide von Cholula und der Cheops-Pyramide die drittgrößte Pyramide der Welt. An ihr vorbei führt die Hauptachse der Stadt, die ,Straße der Toten'. Am nördlichen Ende dieser Straße steht die Mondpyramide. Diese ist etwas kleiner, wirkt aber, da auf eine Erhöhung gebaut, so groß wie die Sonnenpyramide. Im Süden läuft die Straße am Tempel des Quetzalcoatl vorbei auf ferne Berge zu. Am Straßenrand liegen viele Tempel sowie Wohngebäude der herrschenden Schichten. Einige Viertel der Stadt bewohnten Angehörige anderer Völker, etwa Zapoteken, Mixteken und Maya. In fast allen Wohngebäuden waren die Wände bemalt, meist auf rotem Hintergrund: mythologische Szenen, Szenen aus dem Alltag, Würdenträger, Krieger.

Die Sonnenpyramide (der Name stammt wie der Name der Stadt von den später durchgewanderten Azteken) ist das erste große Gebäude, das in der Stadt errichtet wurde. Sie wurde um das Jahr 100 nach der Zeitrechnung erbaut, anders als die meisten Pyramiden Amerikas (anders auch als die Mondpyramide) in einem einzigen Durchgang. Das Innere besteht aus Adobe und Basalt, außen war die Pyramide mit Stuck überzogen und bemalt. Zwar wird stark vermutet, dass sie religiösen Zwecken diente, aber noch ist unbekannt, welchem Gott sie geweiht war.

Die Mondpyramide entstand ein Jahrhundert später. Sie wurde mehrfach erweitert.

Der Tempel des Quetzalcóatl liegt in der Mitte der sogenannten Ciudadela, einer von Mauern mit 400 Metern Seitenlänge umgebenen vermutlich höfischen Anlage, in der sich auch Wohngebäude befanden. Ihr einziger Zugang lag an der ,Straße der Toten'. Sie konnte einhunderttausend Menschen fassen und könnte kultischen Zwecken gedient haben.

Die Quartiere bestanden aus etwa 2.200 Wohnkomplexen, jeder mit einer Seitenlänge von 50 bis 60 Metern, von einer Mauer umgeben, mit nur einem Eingang. Ein solcher Komplex bot etwa 100 Menschen in mehreren Räumen und Höfen Wohnraum.

Obwohl Landwirtschaft betrieben wurde, konnte sich Teotihuacán nicht aus eigener Kraft mit Nahrungsmitteln versorgen. Wohl fast die Hälfte der Lebensmittel musste importiert werden. Als Handelsgut diente wahrscheinlich vor allem Obsidian, das für Schneidewerkzeuge verwendet wurde. Gut erreichbar um die Stadt lagen die bedeutendsten Obsidian-Vorkommen Mesoamerikas.

In Teotihuacán wurden viele Götter verehrt, etliche davon waren aus früheren Kulturen übernommen worden. Es gab auch Menschenopfer. Mindestens einige Kulte wurden von anderen Völkern fortgesetzt. Unter ihren aztekischen Namen bekannt sind Quetzalcoatl (,Gefiederte Schlange'), Tlaloc (Gott des Regens und des Ackerbaus), Huehueteotl (der ,Alte Gott'), Xipe Totec (der hautlose Gott des Frühlings, ein Fruchtbarkeitsgott) sowie die Große Göttin.

 

Auf dem Weg zur Sonnenpyramide
Sombrerostände.

 

2013-02-19-0416-Sonnenpyramide-Teotihuacan-400x300

Sonnenpyramide in Teotihuacan

 

Teotihuacán.
Eine Agave schickt ihre Blüte
in blauen Himmel.

 

2013-02-19-0491-Ausblick-von-der-Sonnenpyramide-Mondpyramide-Teotihuacan-400x300

Teotihuacan – Ausblick von der Sonnenpyramide über die Straße der Toten zur Mondpyramide

 

2013-02-19-0496-Landschaft-von-der-Sonnenpyramide-Teotihuacan-400x300

Teotihuacan – Ausblick von der Sonnenpyramide über die Straße der Toten

 

Sonnenpyramide –
ein Schmetterling legt sich
in den Wind.

 

Von der Sonnenpyramide
ein Blick ringsum:
überall Schwestern,
die Berge.

Zur Blaskapelle vom Dorf
wiegt sich ein Schmetterling,
Der Wind ist heftig.

Strommasten am Horizont
malen kleine Stacheln ins Blau.
Wir sind der Sonne nahe.

Auf der Straße der Toten
spielen Verkäufer auf Flöten,
bieten Messer aus Obsidian.

Echt oder unecht –
es ist dieser Ort,
der Blick ins eigene,
entvölkerte Herz.

 

2013-02-19-0514-Mondpyramide-von-der-Sonnenpyramide-Teotihuacan-400x300

Ausblick von der Sonnenpyramide: die Mondpyramide, Teotihuacan

 

Ein Liebespaar –
Hand in Hand unterwegs
zur Mondpyramide.

 

 

Von der Mondpyramide
der Blick vorbei an der Schwester
zu fernen Hügeln.

Der Himmel ist blau,
doch weiße Schiffe ziehen.

Die Erbauer sind mit ihnen gewandert.
Vielleicht wandern sie immer noch.
Vielleicht mit den Wolken,
vielleicht mit den Vögeln,
vielleicht unter Menschen der Erde,
unerkannt,
schweigend.

Nur den Mond und die Sonne
kennt jeder.

 

 

Im Stein und im Mond –
die Gesichter
von Menschen.

 

2013-02-19-0590-Sonnenpyramide-von-der-Mondpyramide-Teotihuacan-400x300

Teotihuacan – Ausblick von der Mondpyramide: die Sonnenpyramide und die Straße der Toten

 

Der Tag war heiß. Auf der Sonnenpyramide blies starker Wind. Die Mondpyramide ließ sich nur etwa ein Drittel besteigen, bis zu einer großen Plattform, dann war abgesperrt. In einem Haus, das wir anschließend besuchen, dem Quetzalpapalotl-Palast, erinnern uns Reste der Bemalung daran: Die Pyramiden leuchteten rot.

Wir haben uns Vogelflöten gekauft. Damit lassen wir das Ungeheuere, das schon fast zu groß ist, um noch zu berühren, hinter uns. Wir fahren an unseren Übernachtungsplatz in Tepotzotlán.

 

Hinter der Mondpyramide
ein Laster – nur ein paar Halme
aus Stroh.

 

Strohgarben.
Über der Sonnenpyramide
die Sonne.

 

 

Tepotzotlán

Eine Kleinstadt etwa 35 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt. In vorspanischer Zeit war sie mit den Azteken verbündet.

 

Die Fahrt zu Pepe's RV Park (Pepe's Wohnmobil-Park), wo wir unsere beiden letzten Nächte in Mexiko verbringen werden, war die Abschiedsfahrt unseres Reisebusses. In die Hauptstadt werden wir Regionalbusse nehmen.

Auch hier auf dem Platz gibt es Hunde, wie wir überhaupt viele Hunde in Mexiko sahen. Ihr Gekläff unterhält in den Ortschaften oft die ganze Nacht. Aggressiv beobachteten wir sie aber nirgends.

Wir haben einen schönen Aufenthaltsraum.

 

Mexikanischer Campplatz.
Am Reisigbesen
rüttelt der Wind.

 

2013-02-21-0110-Kirche-Zocalo-Tepotzotlan-400x300

Kirche in Tepotzotlan

 

2013-02-21-0111-Lokal-Zocalo-Tepotzotlan-400x300

Lokal in Tepotzotlan

 

Lange Tafel –
ich biege mich hinter den Rand
meines Glases.

 

Mexikanischer Morgen.
Hahnenschreie durchstoßen
den Dunst.

 

Der Mann, der die Brötchen zum Frühstück brachte, verließ Deutschland vor 40 Jahren. Erst lebte er in den USA, jetzt in Mexiko. Ihm fehlen einige Zähne. Am Auto, einem Chrysler, sehe ich hinten den Aufkleber ,Freistaat Bayern'. Der ehemalige Busfahrer weiß, dass es im Walmart Erdinger Weißbier gibt, die Dose für vier oder fünf Dollar. Er weiß eine Bäckerei, die Brezeln verkauft.

Abends wandern wir zum Zócalo des Städtchens: Abschiedsessen an einer langen Tafel. Am Morgen schießen Pepe und seine Frau Fotos von uns, als Werbung für ihren Campplatz. Wir lächeln gerne.

Auf der Fahrt nach Mexiko-Stadt hören wir, es sei eine unstandesgemäße Verbindung. Der Vater der Frau sei sehr reich, ihm gehöre unter anderem der Campplatz und ein Busunternehmen, in dem Pepe als Fahrer arbeitete. Die Tochter des Chefs habe sich in ihn verliebt, sie haben gegen alle Widerstände geheiratet. Der Vater habe ihm dann den Campplatz gegeben, den führe nun das Paar, lebe dort in einfachen Verhältnissen.

 

 

Mexiko-Stadt I

Die Stadt selbst hat etwa 9 Millionen Einwohner, der Ballungsraum rund 23 Millionen. ,Ciudad de México' oder ,México D.F.' gilt damit als zweitgrößte Stadt der Welt. Der Name geht auf die Azteken zurück, die sich als Mexica bezeichneten und sich nach einem Nomadenleben im Jahre 1325 hier niederließen. Ihre Stadt Tenochtitlán gründeten sie auf einer Insel in einem großen flachen See, der heute verschwunden ist. Im Jahr 1521 wurde die Stadt, die damals etwa 300.000 Einwohner zählte und weite Teile des heutigen Mexiko beherrschte, von den Spaniern unter Cortez eingenommen. 1535 wurde sie Hauptstadt des spanischen Vizekönigreichs ,Neuspanien'.

Das Zentrum der Stadt ist wohlhabend und mit einer europäischen Metropole vergleichbar. Aber etwa zwei Drittel der Menschen in Mexiko-Stadt gelten als ,arm'. Die Elendsviertel oder ,verlorenen Städten', wie sie hier heißen, befinden sich in den Außenbezirken. Sie haben keine oder nur eingeschränkte Elektrizität und Wasserversorgung. Wohl mehrere Millionen Menschen leben hier unangemeldet. Single-Haushalte gibt es kaum, nicht nur aus Geldgründen. Die Familie ist sehr wichtig und will zusammen leben.

Das Klima ist ganzjährig ähnlich. Nachts kühlt es ab, tags steigen die Temperaturen meist auf 25-27 Grad. Als Folge der von Bergen umgebenen Lage und der Luftverschmutzung ist Smog häufig.

Stadtmitte ist der Zócalo, der Platz der Verfassung. Hier stand der Palast von Moctezuma II. (1465-1520). Am Platz liegen die Kathedrale (erbaut 1573-1667) und der Nationalpalast, der Sitz des Präsidenten (erbaut 1792; sehenswert die frei zugänglichen Wandmalereien von Diego Rivera). Wenige Meter nördlich des Zócalo liegt eine Ausgrabungsstätte mit Ruinen des früheren Tempelbezirks von Tenochtitlán.

Die Stadt ist eine Attraktion. Aus der Vielzahl der Sehenswürdigkeiten sollen nur wenige hervorgehoben werden: Der Palast der Schönen Künste (Palacio de Bellas Artes, ein Kulturzentrum), das Nationalmuseum für Anthropologie (Museo Nacional de Antropología, eines der bedeutendsten archäologischen Museen der Welt), der Lateinamerika-Turm (Torre Latinoamericana, von der oberen Plattform geht der Blick bis zum Horizont über die Stadt). Und als Gedenkstätte der eher unscheinbare Platz der Drei Kulturen (Plaza de las Tres Culturas), nämlich der indigenen Kultur, der spanischen und der modernen Kultur der Mestizen, die mit 60% heute die Bevölkerungsmehrheit stellen (weitere 30% gelten als Indigene).

 

Mexiko-Stadt.
Wir fahren durch Elendsviertel
zum Museum.

 

Einst lag hier ein großer See.
Der ist ausgetrocknet, nun wächst Beton
in den Himmel hinein. Das Wasser
unter der Erde sinkt weiter.
Die Stadt hat Schieflage.

Alexander von Humboldt rühmte
die klare Luft, unter Europas Städten
gäbe es keine, die schöner sei.
,Verlorene Städte' nennen sie heute den Ring,
wo die Zuwanderer Unterkunft finden.

Irgendwann gelangen die Autos vom Rand
nicht mehr in das Zentrum. Die Geburtenrate
ist niedrig. Aber Menschen drängen
noch immer her,
in die Verheißung.

 

Die Einfahrt nach Mexiko-Stadt ist Hineinfahrt in einen steinernen Dunst. Jetzt, in der Trockenzeit, ist die Luftverschmutzung in der Regel am schlimmsten. Wir treffen es dafür recht gut.

Im historischen Zentrum stehen keine hohen Gebäude, aber in den Geschäftsvierteln gibt es durchaus Hochhäuser. Die Stadtplaner sind vorsichtig, in diesem Erdbebengebiet. Wir sehen Straßen mit sechs Spuren in jeder Richtung, überhaupt unglaublich viele Straßen und Autos. Auch hier stehen Gasbehälter auf den Dächern.

In Mexiko-Stadt wird mehr geraucht und gehupt als sonst in Mexiko, die Leute scheinen angestrengter. Es gibt auch mehr US-amerikanische Bezeichnungen, aber immer noch deutlich weniger als in Deutschland.

An Straßenkreuzungen stehen Händler und Leute, die Scheiben wischen möchten. Händler gibt es auch in der U-Bahn. Aber wenige Bettler. Auch viele mobile Küchen sehen wir, etwa für Leute, die zur Arbeit gehen.

Die sonst allgegenwärtigen Bremsschwellen gibt es in Mexiko-Stadt offenbar nicht – Ampeln und Staus machen sie unnötig.

 

Hinter dem Smog
die Vulkane suchen.
Mexiko-Stadt.

 

Wasser stürzt rings um die Säule
der Maya-Kulturen herab
aus dem Himmel, der ein Viereck ist,
auf den Boden, versickert dort
in Löchern der Steinplatten.
Ein Spalt des wirklichen Himmels
blendet über dem Eintrittsgebäude
des Anthropologischen Museums
und diesem künstlich geschaffenen Himmel,
unter dem unser Leben geht.
Die Masken werden ausgetauscht
von den Zeiten. Der Regen bleibt.
Manchmal ändert er ein wenig
seine Chemie.
Die Erde nimmt auf,
was von oben kommt.

 

2013-02-20-0987-Fussgaengerstrasse-Mexiko-Stadt-300x400

Fußgängerstraße in Mexiko-Stadt

 

Vor einer Kirche in Mexiko-Stadt.

Die Mundharmonika
des Bettlers – blechern bis ans
geraubte Gold.

 

2013-02-20-1030-Blick-vom-Lateinamerika-Turm-Mexiko-Stadt-400x300

Blick vom Lateinamerika-Turm über Mexiko-Stadt

 

2013-02-20-1046-Blick-vom-Lateinamerika-Turm-Mexiko-Stadt-400x300

Blick vom Lateinamerika-Turm über Mexiko-Stadt

 

Auf dem Lateinamerika-Turm. Eine gewaltige Stadt! Die Häuser steigen an den Hügeln der Horizonte hoch. Der feine Dunst ist Smog. Sind die Vulkane zu sehen?

Wir treffen zwei junge Frauen aus Aalen. Sie besuchen einen Freund, der in einer Kirche der Elendsviertel sein soziales Jahr leistet. Asphaltierte Straßen gibt es dort nicht. Aber die Menschen seien sehr gastfreundlich.

Später hören wir, dass in die Elendsviertel auch Mexikaner lieber nicht gehen, es sei zu gefährlich.

Während unserer Auffahrt mit dem Lift bebte die Erde leicht.

 

Bis zu den Hügeln des Horizonts,
unbewegt –
steinerne Wellen.

 

Auf dem Garibaldiplatz stehen die Mariachi-Kapellen, jede in etwas anderer Tracht. Wer zur Hochzeit Musik will, fährt dorthin und bucht sich eine Kapelle. Wir hören zwei Lieder an Ort und Stelle.

 

 

Mexiko-Stadt II

Dezember 1531 erschien im Vorort Villa de Guadalupe auf dem Berg Tepeyac einem Indigenen, der gerade zur Kirche wollte, eine schöne junge Frau. Sie bezeichnete sich als Jungfrau Maria und sagte ihm, dass er unter ihrem Schutz stehe. Und sie trug ihm auf, beim Bischof die Errichtung einer Kapelle zu erbitten. Der Bischof forderte ein sichtbares Zeichen.

Drei Tage später erschien dem Mann die Jungfrau erneut. Sie wies ihn an, Rosen zu pflücken, die mitten im Dezember zu blühen begonnen hatten. Er tat das und die Frau ordnete die Rosen in seinem Mantel. Er brachte die Blumen zum Bischof. Als er den Mantel mit den Rosen öffnete, erschien auf ihm das Bild der Maria. Die Kapelle wurde am Ort der Erscheinung errichtet.

Seit 1754 ist die Jungfrau von Guadalupe Patronin Mexikos. Im Jahr 1974 wurde neben der alten, deren Untergrund absank, eine neue Basilika geweiht. Sie gilt als wichtigstes Heiligtum Mexikos und mit 20 Millionen Pilgern im Jahr als bestbesuchter Wallfahrtsort der Welt. Auf Rollbändern gleiten die Pilger unter dem gefassten Mantelbild weg.

Auch wir rollen unter dem Bild, mit Pilgergruppen aus allen Ecken und Enden Mexikos und darüber hinaus, viele mit Fahnen. Leben heißt, Erfahrungen machen. Den Erfahrungen anderer Menschen zu glauben, heißt es nicht unbedingt. Wohl jeder kennt den Platz im eigenen Herzen, aus dem alle Dinge erscheinen. Wie sie sich zeigen, macht die Umgebung. In der Umgebung des anderen sehe ich mein eigenes Herz.

Wir steigen die Treppe den Berg hinauf, an Kapellen vorbei. Die alte Basilika, man sieht es von oben, steht bedenklich schief.

Menschen im Strom der Menschen. Da ist ein alter Senior mit maisgelber Weste und gelbem Strohhut und Stock. Gestützt auf den und seine Tochter schreitet er die Stufen hoch. Sie trägt einen Sitz. Als er strauchelt, lacht er nur, es ging ja nicht einmal ganz in die Knie. Sie steigen weiter die Treppe hoch, zu einer Kapelle. Hier hat die Erscheinung irgendwo stattgefunden.

Indigene aus dem Straßendorf im Dschungel bestaunen das Flirren der Großstädter in der Kapelle ihrer Jungfrau. Der mexikanische Vater und seine drei Kinder gehen Hand in Hand.

Was macht es schon, dass ein paar Zähne fehlen, wenn das Herz rein ist. Die Menschen strömen in Massen. Vor der Jungfrau von Guadalupe sind sie doppelt erlöst, aztekisch und christlich.

Wir sitzen im Schatten und trinken. Die meisten Menschen um uns sehen städtisch aus. Viele kommen mit Kindern. Nur wenige tragen traditionelle Gewänder.

 

2013-02-21-0145-Alte-Kirche-Basilika-der-Jungfrau-von-Guadalupe-Mexiko-Stadt-400x300

Alte und neue Basilika der Jungfrau von Guadalupe, Mexiko-Stadt

 

Tlatelolco war ursprünglich ein eigener Stadtstaat, der auf einer Insel im Texcoco-See lag. Im Jahr 1473 eroberten die benachbarten Azteken die Stadt. Das aztekische Tenochtitlán wurde so eine Doppelstadt. In Tlatelolco entwickelte sich der größte Markt Amerikas.

Am 13. August 1521 wurden hier die Azteken unter ihrem König Cuauhtemoc in einer äußerst blutigen Schlacht von Cortez endgültig besiegt und der König gefangengenommen. Sein Andenken wird im heutigen Mexiko hochgehalten.

Auf dem Platz der drei Kulturen in Tlatelolco weist eine Tafel auf die Ereignisse hin. Es sei kein Sieg und keine Niederlage gewesen, sondern die schmerzhafte Geburt des Volks der Mestizen, behauptet die Inschrift.

Die drei Kulturen sind die Indigenen (für sie stehen die Ruinen), die Spanier (für sie steht die christliche Kirche) und die heutigen Mexikaner (die Mestizen; für sie steht das – ehemalige – Außenministerium am Rande des Platzes).

 

2013-02-21-0224-Emblem-ehemaliges-Aussenministerium-Platz-der-3-Kulturen-Tlatelolco-Mexiko-Stadt-300x400

Wappen von Mexiko, ehemaliges Außenministerium am Platz der 3 Kulturen in Tlatelolco, Mexiko-Stadt: Ein Adler sitzt auf einem Feigenkaktus und verschlingt eine Schlange. Der Kaktus wächst auf einem Felsen der Insel eines Sees: Wo ihnen das begegnet, so lautete die Weissagung der wandernden Azteken, sollten sie sich niederlassen und ihre Stadt gründen.

 

Auf dem Gelände des Zócalos, dem Platz der Verfassung, befand sich einst der Palast des Azteken-Königs Moctezuma II. Am Platz liegt heute der Nationalpalast. Dort sehen wir die berühmten Wandmalereien (,Murales') von Diego Rivera. Kommunistisch inspiriert stellen sie das Aufeinandertreffen der Spanier und der indigenen Völker Mexikos dar. Ein Ergebnis, die Reste des alten Tenochtitlán, finden wir nicht weit von der Kathedrale in einer Ausgrabungsstätte.

 

2013-02-21-0248-Nationalpalast-Mexiko-Stadt-400x300

Nationalpalast, Mexiko-Stadt

 

Im Präsidentenpalast
lieblich wiedererstanden –
Tenochtitlán.

 

Ein Mexikaner, vielleicht 35 Jahre alt, wie ein Geschäftsmann gekleidet murmelt er fortwährend Gebete, unverstehbar, bekreuzigt sich, geht.

Offen das Tor
der Stadtkirche –
für den Staub.

 

2013-02-22-0395-Palast-der-Schoenen-Kuenste-Lateinamerika-Turm-Mexiko-Stadt-300x400

Palast der Schönen Künste und Lateinamerika-Turm, Mexiko-Stadt

 

Wir betrachten den Zócalo aus einem Lokal in der Höhe: die wimmelnden Menschen, die Geduld der Steine. Dann gehen wir ein letztes Mal durch die Fußgängerzone. Ein Bus fährt uns zum Flughafen.

 

Flugwartesaal.
Leute beobachten
andere Leute.

 

Der Wartesaal füllt sich.
Die Luft
vibriert immer stärker.

 

 

Nachwort

Zugfahrt vom Frankfurter Flughafen nach Tübingen:

Schneegestöber.
Die Sonne Mexikos noch
unter der Jacke.

 

Rückkehr aus Mexiko.
„Morgen ist Altpapier“,
sagt die Liebste.

 

Dunst überm Schnee.
Ich träume
von der Sonne.

 

Ein paar Tage später Warten in Stuttgart. Ich erinnere mich an Mexiko-Stadt, und die ferne Metropole erscheint mir viel schöner. Ja, Smog lag über den Häusern. Aber hier in Stuttgart liegt er zwischen den Menschen, ein schmieriger Zigarettengeruch.

Alle scheinen sehr nervös und getrieben. Von der Freundlichkeit, fast Heiterkeit von Mexiko-Stadt (wir haben allerdings die Elendsviertel nicht gesehen) ist hier nichts zu spüren. Es ist kalt, die Menschen sind kühl. Jeder für sich wirkt vollkommen. Und abgeschlossen.

Da kommt ein Liebespaar. Hand in Hand gehen sie, lächeln einander zu. Das kann man den Menschen nicht nehmen.

Vorhin las ich eine Leuchtschrift an einer öffentlichen Wand, in einer Fremdsprache: Er brauche keine Hilfe, er sei gerade dabei, gerettet zu werden. Oder so ähnlich. Wahrscheinlich Kunst. Wahrscheinlich klagt der Künstler über ,Entfremdung' – und vertieft sie noch. Wahrscheinlich sind große Städte immer ein Gräuel. Wahrscheinlich finden sich die Bäume und die Bienen überall zurecht.

 

 

Impressum

Texte, Fotos und Gestaltung: Volker Friebel
Alle Rechte vorbehalten
Eine erweiterte Fassung erschien als eBuch
ISBN: 978-3-936487-61-9 (eBuch, epub-Version)

 

 


Eingang   II  Datenschutzerklärung   I  Impressum

Aktuell 12.10.2017 auf www.Reise-Tage.de Alle Rechte vorbehalten