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Volker Friebel

Nord-China
Eine Rundreise
Fotos und Texte

 

Sonderausgabe Teil 2

 

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Tag 9 – Xi'an, Yongle-Tempel, Höhlensiedlung, Luoyang

 

Während der Yuan-Dynastie (1279 bis 1368 nach unserer Zeitrechnung) entstand im Kreis Ruicheng (ganz im Süden der Provinz Shanxi) auf älterer Grundlage der daoistische Yongle-Tempel. Es soll sich um die älteste erhaltene daoistische Tempelanlage handeln. Sie ist Lü Dongbin gewidmet, einem der acht Unsterblichen der daoistischen Mythologie, der wahrscheinlich auf eine historische Person zurückgeht.

Das Areal ist weitläufig. Der Tempel wurde wegen seiner Wandbilder berühmt, die unter anderem die Lebensgeschichte von Lü Dongbin beschreiben – aber nicht fotografiert werden dürfen. Ursprünglich stand der Tempel 20 Kilometer entfernt in der Nähe des Gelben Flusses und wurde 1959 wegen eines Staudamms hierher verlegt.

 

Unter schweren Balken
des Dao-Tempels
Traumgespinste.

    Yongle-Tempel, mittags

 

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Yongle-Tempel im Kreis Yuncheng, Shanxi

 

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Stelen im Yongle-Tempel, Kreis Yuncheng, Shanxi

 

Auf der Fahrt nach Luoyang, wo wir übernachten wollen, besuchen wir eine kleine Siedlung, gelegen am Abhang. In den Berg hinein sind einige Höhlenwohnungen gebaut. Gern geben die freundlichen Menschen uns Einblick. Eine Wohnung besteht aus einem Tor und einem Hof im Freien, von dem aus drei oder vier Türen in den Berg führen. Wir schauen in tonnenförmige Zimmer.

Die Regierung, so erfahren wir, hat versuchsweise allen Höhlenbewohnern eines Gebietes Wohnungen in Neubauten gegeben. Eine spätere Befragung ergab allerdings, dass es den meisten Menschen, vor allem den Älteren, in den Höhlenwohnungen besser gefiel. Solche Umsiedlungen werden deshalb nicht mehr vorangetrieben. Trotzdem dürften die Höhlenwohnungen langsam verschwinden, denn die jungen Leute zieht es in die Städte.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Experimente dieser Art sind in China üblich, um den besten Weg in die Zukunft zu finden. In einem umrissenen Gebiet wird etwas verändert und dann geschaut, was für Auswirkungen es hat. Sind diese günstig, werden sie beibehalten und auf einen größeren Bereich ausgedehnt. Bleibt der Erfolg aus, werden sie rückgängig gemacht.

Sehr interessant fand ich eine Charakterisierung des chinesischen und des russischen Systems in einer russischen Online-Zeitung. In Russland, so die Analyse, werden Beamte nach ihrer Loyalität zu ihren Vorgesetzten befördert, in China nach dem wirtschaftlichen Erfolg, den sie für ihren Bereich erzielen. Russland sei zentral autoritär, China dezentral autoritär. Die große Selbstständigkeit etwa der Provinzregierungen fiel uns schon mehrfach auf.

 

Als wir gehen, laufen ein paar kleine Kinder mit, lachen, machen allerlei Faxen, zeigen, was sie alles können. Die älteren Kinder sind in der Schule.

Jede Familie im Dorf, so erfahren wir, hat nur einen Sprössling. Die straffe Familienpolitik, die lange Zeit nur ein Kind zuließ, wird nun aber langsam gelockert. Denn die negativen Auswirkungen der Bevölkerungsbegrenzung auf Alterspyramide und soziales Netz werden zunehmend deutlich. Kurz nach unserer Rückkehr wird ein Gesetz verabschiedet, nach dem ein Paar zwei Kinder haben darf, wenn mindestens eines der Eltern Einzelkind ist.

 

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Eingang einer Höhlenwohnung bei Luoyang, Henan

 

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Zimmer einer Höhlenwohnung bei Luoyang, Henan

 

 

Tag 10 – Luoyang, Longmen-Grotten, Dengfeng

 

Heute ist Luoyan in der Provinz Henan eine Industriestadt mit 6,5 Millionen Einwohnern, früher war sie eine chinesische Kaiserstadt.

Gegründet wurde Luoyan im 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Hier soll Konfuzius studiert und Laotse gearbeitet haben. Cai Lun beschrieb hier im Jahre 105 nach unserer Zeitrechnung die Papierherstellung und gilt deshalb als Erfinder des Papiers, das allerdings schon zwei Jahrhunderte früher gebräuchlich war. Im Jahre 68 nach unserer Zeitrechnung wurde in Luoyang der erste buddhistische Tempel Chinas errichtet.

Luoyang war schon mehrmals Hauptstadt gewesen, als im Jahre 493 nach unserer Zeitrechnung die Nördliche Wei-Dynastie ihren Herrschaftssitz von Datong hierher verlegte. In Datong hatte diese Dynastie die buddhistischen Yungang-Grotten gefördert. Hier setzte sie dies mit dem Ausbau der Longmen-Grotten fort.

Die Stadt soll damals eine halbe Million Einwohner gehabt und eines der wichtigsten Handelszentren Asiens gewesen sein. Schon im Jahre 543 allerdings gab die Dynastie die Stadt auf. Sie verfiel. Die Sui-Dynastie (die Jahre 581 bis 618 nach unserer Zeitrechnung) baute sie neu auf und machte sie wieder zur Hauptstadt. Die Tang-Dynastie (die Jahre 618 bis 907 nach unserer Zeitrechnung) verlegte ihren Regierungssitz nach Chang’an, dem heutigen  Xi’an. Seither war Luoyang nicht mehr Hauptstadt Chinas.

 

Die Longmen-Grotten (Drachentor-Grotten) liegen etwa 12 Kilometer südlich von Luoyang, vor allem am westlichen Ufer des „Drachentors“, eines Felsdurchbruchs des Flusses Yi. In etwa einen Kilometer Felshang sind 2.345 Nischen gearbeitet, geschmückt mit Buddha-Figuren und anderen Steinskulpturen. Es sollen über 100.000 Skulpturen sein, die meisten davon sehr klein.

Baubeginn war das Jahr 493 nach unserer Zeitrechnung. Die Ausgestaltung der Grotten wurde vier Jahrhunderte lang fortgesetzt. Die größte Buddha-Figur, begonnen im Jahre 672 während der Tang-Dynastie, soll die Gesichtszüge der einzigen chinesischen Kaiserin Wu Zetian tragen, die die Arbeiten gefördert hat.

Der natürliche Zerfall, Vandalismus während der Kulturrevolution sowie Kunsträuber haben den Grotten zugesetzt.

 

Zerbröselnder Stein.
Von Buddhas Gesicht blieb
der Mund.

 

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Tauben Fengxian-Si-Grotte, Longmen-Grotten, bei Luoyang

 

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Fluss und Fengxian-Si-Grotte, Longmen-Grotten, bei Luoyang

 

Wir fahren ostwärts Richtung Song Shan (Berg Song), dem „Großen Mittleren Gipfel“, einem weiteren der fünf heiligen Berge des Daoismus. Er ist in der Provinz Henan gelegen, in der Nähe von Dengfeng (etwa 630.000 Einwohner).

In der Gegend gibt es zahlreiche Shaolin-Schulen. Auch das Ursprungskloster dieses buddhistischen Ordens liegt am Berg. Berühmt sind die Shaolin für ihre Kampfkunst, das Shaolin Kung fu. Der indische Mönch Bodhidharma, der in China den Chan- (japanisch Zen-) Buddhismus begründete, soll um das Jahr 527 nach unserer Zeitrechnung in dieses Kloster gekommen sein. Bereits Bodhidharma wird die Entwicklung von Shaolin-Kampftechniken zugeschrieben – wahrscheinlich fälschlich. Jedenfalls wurden diese Kampftechniken hier entwickelt. Im klösterlichen Rahmen wird Shaolin als Bewegungsmeditation verstanden. Trotzdem wurden Mönche des Klosters zu verschiedenen Zeiten auch als Kämpfer eingesetzt.

Wir besichtigen das Shaolin-Kloster nicht, sondern essen am Yongtai-Tempel in einem vegetarischen Restaurant und besuchen dann eine der zahlreichen Schulen am Straßenrand, in denen neben dem normalen Unterricht Shaolin-Kampfkünste unterwiesen werden. Plätze an diesen Schulen sind sehr begehrt.

 

Shaolin-Schule.
Die kräftigen Stimmen
der Jungen.

    Shaolin-Schule bei Dengfeng, mittags

 

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Kinder im Hof einer Shaolin-Schule, Dengfeng, Henan

 

Der Song Shan ist ein daoistischer Berg – also besuchen wir auch ein daoistisches Kloster, den Zhongyue-Tempel oder Tempel des Mittleren Gipfels bei Dengfeng. Seine Ursprünge gehen bis auf die Zeit der Qin-Dynastie zurück (die Jahre 221 bis 207 vor unserer Zeitrechnung). Die heutige Haupthalle stammt aus dem Jahr 1653. Erbaut wurde der Tempel am Fuß des Huanggai-Gipfels, im Süden des Song Shan, als Anbetungsstätte für den Gebirgsgott. Es ist der größte Tempel der Provinz und der bedeutendste des Berges. Auch einige daoistische Mönche leben hier. Besonders beeindruckt aber sind wir von den alten Bäumen.

 

Dao-Tempel.
Die Welt vergessen im Garten
der Bäume.

    Zhong Yue Tempel bei Dengfeng, nachmittags

 

Garten der Bäume.
Durch die offene Tür die Gestalt
eines Baums.

 

Garten des Dao.
Unter Bäumen die Sinnlosigkeit
unserer Gesten.

 

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Zhongyue-Tempel im Songshan-Gebirge, Dengfeng, Henan

 

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Statuen Zhongyue-Tempel im Songshan Gebirge, Dengfeng, Henan

 

Unsere Fahrt geht weiter ostwärts in den Abend hinein nach Kaifeng.

 

Brücke über den Fluss.
Der Himmel spiegelt
den Himmel.

 

Magnolienblüten.
Aus dem Dunst schält sich
ein Kohlekraftwerk.

 

 

Tag 11 – Kaifeng, Qufu

 

Kaifeng liegt in der Provenz Henan am Gelben Fluss und hat 4,8 Millionen Einwohner. In der Vergangenheit war die Stadt mehrmals Hauptstadt Chinas.

Gegenüber unserem Hotel liegt ein Kindergarten. Hof und Mauern sind fröhlich bunt bemalt. Der Trubel ist groß. Die meisten Aktivitäten scheinen angeleitet. So hat eine Erzieherin Holzreifen auf dem Boden verteilt und die Kinder hüpfen von Reif zu Reif. Die Erzieherin ändert deren Lage gelegentlich. In einem anderen Bereich werden die Kinder mit Bällen beschäftigt. Alles scheint auf die Förderung der Feinmotorik abgestimmt, so wie es gerade auch bei uns im Kindergarten stark zunimmt.

Wir haben 289 Kilometer Fahrt vor uns, ostwärts, bis nach Qufu, der Stadt des Konfuzius. Zum Mittagessen wollen wir dort sein.

 

Ein Drache steigt
zwischen Hochhäusern.
Konfuzius lesen.

 

Unsere hiesige junge Reiseleiterin charakterisiert die Menschen der Provinz Shandong, in die wir kommen, als sehr höflich. Alle älteren Leute würden „Lehrer“ genannt. Die Einheimischen gelten als stark, großzügig, aber auch als leichtsinnig. Sie trinken sehr viel: Jeden Tag gibt es eine Mahlzeit und eine Kiste Bier – behauptet sie fröhlich.

 

Der weiße Rauch
eines Kraftwerks. Aufkommender
Weizen.

    Busfahrt Kaifeng – Qufu, morgens

 

Neu gepflanzte Bäume –
Kohlewaggons
rollen im Dunst.

 

Qufu liegt in der Provinz Shandong und hat 640.000 Einwohner. Ein Viertel davon bezeichnet sich als Nachkommen des Konfuzius (chinesisch: Kong-tse). Hier ist der große Lehrer geboren und gestorben (die Jahre 551 und 479 vor unserer Zeitrechnung). Dazwischen wanderte er durch China, auf der Suche nach einem Herrscher, der seine Philosophie zum Regieren zu nutzen bereit wäre. Er fand keinen.

 

Magnolienblüten.
An der Hotelfassade spiegelt sich
Wasser.

    Qufu, vor dem Hotel, nachmittags

 

Der Konfuziustempel wurde an der Stelle errichtet, wo das Geburtshaus des Lehrers stand. In der gesamten Tempelanlage liegen 406 Gebäude um neun Höfe verteilt.

 

Garten des Konfuzius –
ein Vogel singt
in der uralten Kiefer.

    Qufu, Residenz des Konfuzius, nachmittags

 

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Residenz des Konfuzius, Qufu, Shandong

 

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Baum, Residenz des Konfuzius, Qufu, Shandong

Diesen Baum soll Konfuzius selbst gepflanzt haben (vermutlich ist es ein Nachkomme).

 

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Pavillon am Ort wo Konfuzius lehrte, Residenz des Konfuzius, Qufu, Shandong

 

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Bücherversteck, Residenz des Konfuzius, Qufu, Shandong

In dieser Mauer sollen Nachkommen des Konfuzius seine Bände vor einer Bücherverbrennung versteckt haben.

 

Die Residenz der Familie Kong, also der Familie des Konfuzius, ist nur wenig kleiner als der Konfuzius-Tempel. Sie diente den direkten Nachfahren des Konfuzius in der Linie seines ersten Sohnes als Wohnsitz. Aus Angst vor der kommunistischen Machtergreifung setzten sich die letzten Bewohner 1947 nach Taiwan ab.

 

Leere Residenz.
Bienen umsummen
den blühenden Busch.

    Qufu, Residenz der Familie des Konfuzius, nachmittags

 

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Residenz der Familie Kong, Qufu, Shandong

 

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Zimmer in der Residenz der Familie Kong, Qufu, Shandong

 

 

Tag 12 – Qufu, Tai'an, Tai-Berg

 

Morgen in Qufu. Wir warten auf den Bus zum Wald der Familie Kong. Dort liegen Konfuzius selbst, sein Sohn, sein Enkel und angeblich etwa 100.000 direkte und indirekte Nachkommen des Lehrers bestattet.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffnet ein Ladenbesitzer: Er zieht das Gitter seiner Eingangstür hoch, schließt die Tür auf, tritt in sein Geschäft und stellt in aller Seelenruhe den ausgelösten Alarm ab.

 

Allee zum Kong-Grab.
Ein alter Mann
kommt uns entgegen.

    Qufu, Weg zum Wald (Friedhof) der Familie Kong, morgens

 

Wir erfahren: Heute ist Grabpflege-Tag. Da besuchen die Schulkinder mit ihren Lehrern einen Friedhof der Gegend und ehren, stellvertretend durch das Grab einer bekannten Person, die Alten.

Auch an diesem ganz besonderen Platz ist das so. Kinder in Schuluniformen marschieren geordnet (nun, halbwegs geordnet) zum Grab des Konfuzius. Die meisten Lehrer sind in Alltagskleidung, einige tragen Zeremonialgewänder. Sie bringen Opfer dar und werfen sich nieder. Die alten Sitten sollen wieder lebendig werden.

Unsere regionale Reiseleiterin berichtet, dass in China seit Jahren eine Hinwendung zur Tradition zu beobachten sei, meist privat propagiert und von reichen Kaufleuten massiv gefördert. Die Regierung stehe dem nicht negativ, aber doch zurückhaltend und eher vorsichtig gegenüber.

Unsere Reiseleiterin fügt an, auch sie selbst sei früher eine „moderne Frau“ gewesen, neige inzwischen aber zu den alten Werten und Lebensweisen und wolle noch stärker „zurück“.

Nachdem die Schulklasse gegangen ist, legt sie Blumen auf das Grab des Konfuzius.

 

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Wald der Familie Kong, Qufu

 

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Grab des Konfuzius im Wald der Familie Kong, Qufu

 

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Baum nahe dem Grab des Konfuzius im Wald der Familie Kong, Qufu

 

Am Grab des Konfuzius

Zeremonie am Grab des Konfuzius.
Schüler knien vor Blumen und Gras,
bringen Obst dar – und Schnaps.
Die Vögel im Wald pfeifen wie immer
in diesen Frühlingsmorgen hinein,
mit der gleichen Lust am Dasein
wie schon durch Zeiten.
Sie kennen den Meister,
sie kennen die Nachfolger alle,
sie kennen niemanden.
Sie werden singen,
wenn die ganze Welt hierher pilgert.
Sie werden singen,
wenn niemand mehr kommt.

 

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Zeremonie am Grab des Konfuzius im Wald der Familie Kong, Qufu

 

Konfuzius-Vortrag.
Auf dem Feld schreitet ein Bauer
den Weizen ab.

    Busfahrt Qufu – Tai'an, mittags

 

 

Wir fahren mit dem Bus nach Tai'an (Provinz Shandong; die Stadt hat 1,6 Millionen Einwohner, die Metropole 5,4 Millionen), essen dort zu Mittag, am Fuß des Tai Shan.

Fünf heilige Berge kennt der Daoismus. Am „Nordgebirge“, dem Heng Shan (Tag 3: Hängender Tempel) und am „Großen Mittleren Gipfel“, dem Song Shan (Tag 10: Shaolin-Schule, Zhongyue-Tempel), waren wir bereits. Der Tai Shan, der „Ostberg“, gilt als der wichtigste Gipfel. Seit alters her wird er von den Herrschern Chinas besucht. Hier opferten sie nach der Thronbesteigung Himmel und Erde für einen Erfolg ihrer Herrschaft. Insgesamt 72 chinesische Kaiser sollen am Fuß des Tai Shan gewesen sein, sechs bestiegen den Berg. Auch Konfuzius war hier. Und Mao Tsedong.

Ein Weg führt vom Fuß des Berges auf seinen Gipfel, 9 Kilometer lang, mit 6.293 Treppenstufen, der Wanderer überwindet dabei 1.350 Höhenmeter. Wir wählen einen Bus und einen Sessellift.

Auf dem Berg stehen mehrere Tempelanlagen, als wichtigster gilt der Tempel des Jadekaisers.

 

Auf dem Tai-Berg –
im kahlen Gebüsch
rote Fetzen.

    Tai-Berg bei Tai'an, mittags

 

Tempel des Berggotts.
Klangschalentöne verfangen sich
in unseren Kleidern.

 

Pilgerweg.
Der Berggott versteckt sich hinter
dem Klacken der Stöcke.

 

Tempel des Jadekaisers.
Am höchsten Punkt
ein Elsternnest.

 

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Fuß des Tai-Shan bei Tai'an, Shandong

 

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Gipfel des Tai-Shan bei Tai'an

 

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Treppe auf den Tai-Shan bei Tai'an

 

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Im Tempel des Jade-Kaisers auf dem Tai-Shan bei Tai'an

 

Auf dem Tai-Berg
die Stufen zur Friedensglocke –
trügerisch.

In einer Pagode am Abhang dürfen wir die große Friedensglocke schlagen und tun damit, wer weiß, vielleicht etwas für die Welt. Etwa sechs Millionen Menschen jährlich besuchen den Tai Shan. Wie viele davon die Glocke ertönen ließen?

Nach dem Läuten der Friedensglocke –
wir stehen
in der zitternden Luft.

 

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Große Friedensglocke auf dem Tai-Shan bei Tai'an

 

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Blick vom Mondschau-Gipfel auf dem Tai-Shan bei Tai'an

 

 

Tag 13 – Tai'an, Tempel Dai Miao, Lingyan-Tempel

 

Tai'an am Morgen. Von unserem Frühstücksraum im 11. Stock ein Blick auf den Heiligen Berg.

 

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Hotel-Frühstück in Tai'an

 

Die Tempelanlage für den Berggott Dai Miao liegt am Fuß des Berges, im Norden der Stadt Tai'an. Der daoistische Kultort wurde etwa im Jahre 200 vor unserer Zeitrechnung während der Quin-Dynastie erbaut. In der Han-Dynastie (die Jahre 206 vor bis 220 nach unserer Zeitrechnung) wurde die Anlage zum kaiserlichen Palast umgebaut. Als solcher ist sie mit der Verbotenen Stadt in Beijing und dem Konfuzius-Tempel in Qufu eine von drei noch vorhandenen kaiserlichen Anlagen in China.

Im Wald der Stelen finden sich uralte Steintafeln mit Inschriften, die älteste aus dem Jahre 209 vor unserer Zeitrechnung, in Auftrag gegeben von Li Si, dem Kanzler des ersten Kaisers. Diese Stele stammt aber nicht aus der Tempelanlage, sondern wurde auf dem Berg gefunden und wird nun hier hinter Glas verwahrt.

 

Kaiser-Tempel.
Im Teich schwimmen Koi über
geworfenem Geld.

 

Wir waren in vielen Tempeln. Vor dem Goldfischteich versuche ich mir darüber klar zu werden, was ich gesehen habe.

Da ist zum einen, ob nun konfuzianistisch, daoistisch oder buddhistisch, die starke Ähnlichkeit der Anlagen. Auch hatte ich trotz großem Besucherandrang nie das Gefühl, etwas falsch machen und unbekannte Tabus oder Eigenheiten verletzen zu können, abgesehen vom seltenen Fotografieverbot. Bei den nicht „einheimischen“ Tempeln der Christen und Muslime war das anders.

In einer christlichen Kirche kann man Menschen tief versunken im Gebet beobachten. In einem chinesischen Tempel der drei Religionen entspricht dem das Opfern von Räucherstäbchen und von Geld. Im Zentrum scheint ganz das jetzige Leben zu stehen, seine Sorgen und Nöte, auch profanster Art. Gibt es so etwas wie Spiritualität in China überhaupt? Sie tritt zumindest weit weniger in Erscheinung, als in Europa.

Ich unterhalte mich mit Hu Hsiang-fan darüber. Er meint: Wer Glück haben möchte, geht zu einem Tempel, opfert und bittet darum. Wenn er glaubt, dass es erfolgreich war, kommt er wieder, ansonsten nicht. Dann besucht er einen anderen Tempel. Die spirituelle Ausrichtung ist dabei egal. Chinesen sind sehr pragmatisch. Wichtig ist ihnen ein gutes Leben für sich und ihre Familie und Harmonie zwischen den Menschen.

So verwundert es nicht, dass es in der Vergangenheit zwar Konkurrenz zwischen den Religionen gab, aber, da die scharfen spirituellen Bekenntnisse fehlen, nichts, das an Glaubenskriege erinnert. Wenn sehr gelegentlich die eine oder andere Religion verfolgt wurde, dann deuten die Umstände auf pragmatische Gründe und kaum auf Glaubenseifer. Beispielsweise gab es Enteignungen der buddhistischen Klöster, als diese durch Schenkungen sehr reich geworden waren und, da sie keine Steuern bezahlen mussten, die Einnahmen des Staates dahinschmolzen. In den Anfängen der kommunistischen Herrschaft, deren Eifer eher europäisch als chinesisch anmutet, gab es allerdings eine Verfolgung aus ideologischen Gründen. Inzwischen duldet und fördert der Staat die Religionen wieder in der vorsichtig-freundlichen Weise, die sich als roter Faden durch die chinesische Geschichte zieht. Das dürfte so auch bleiben, sofern die öffentliche Ordnung gewahrt und keine Religion von außen politisch instrumentalisiert wird.

Bei uns ist man entweder Katholik oder Muslim oder Atheist oder Jude oder evangelisch. Chinesen wird eine solche ausschließende Haltung erstaunen. Die chinesischen Religionen sind miteinander vereinbar, sie stehen eher neben- als gegeneinander. Ein Chinese kann ihre Tempel alle besuchen und sich zu allen gleichzeitig bekennen.

Wichtiger noch als Konfuzianismus, Buddhismus und Daoismus und weit wichtiger als bei uns, ist allerdings der Volksglaube, eine Mischung aus Ahnenkult, Verehrung lokaler Götter und regional wechselnden Praktiken und Überzeugungen.

 

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Dai-Tempel in Tai'an

 

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Dai-Tempel in Tai'an

 

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Statue im Dai-Tempel, Tai'an

 

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Ausschnitt Wandbild im Dai-Tempel, Tai'an

Das riesige Wandbild stellt eine Inspektionsreise des Gottes dar.

 

Wir fahren nach Norden, zum buddhistischen Lingyan-Tempel, der sich etwa 20 Kilometer von Tai'an entfernt befindet. Erbaut in den Jahren 357 bis 359 nach unserer Zeitrechnung, gilt er als eine der wichtigsten Institutionen der Tang- und der Song-Dynastie.

Das Tempel-Areal liegt wunderschön. Besonders eindrucksvolle Werke sind die Pizhi-Pagode aus dem 11. Jahrhundert (begonnen im Jahr 753), die kleine Huichong-Pagode (erbaut zwischen den Jahren 742 und 755 als Grab für einen berühmten Mönch des Klosters), der Friedhof der Äbte sowie die Skulpturen in der Halle der Tausend Buddhas. Während der Tang-Dynastie (die Jahre 618 bis 907 nach unserer Zeitrechnung) wurden dort Statuen von 40 Arhats (erwachte buddhistische Mönche, dem Buddha gleichwertig) errichtet, die überraschend lebendig wirken.

Seit 1974 leben in einem touristisch nicht zugänglichen Teil des Areals wieder etwa zehn Mönche. In der Blütezeit des Klosters waren es mehr als 500.

 

Unter tausend Buddhas
die 40 Arhats des Klosters,
erstarrt.

 

Friedhof der Äbte.
Eine Taube schwingt sich auf
in die Zeder.

 

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Große Pagode im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

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Statue eines Arhats im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

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Bäume im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

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Huichong-Pagode im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

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Blumen an der Huichong-Pagode im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

Die Skulptur einer Tür im Osten der Huichong-Pagode stellt den Beginn des Lebens dar. Eine Figur (weitgehend zerstört) ist von hinten zu sehen. Sie geht durch die Tür. Darüber eine Szene mit einer Tänzerin. Auf der anderen Turmseite, im Westen also, ist wieder eine Tür abgebildet. Aus ihr kommt jemand heraus, eine Frau. Darüber ist ein chinesischer „Engel“ dargestellt, als Zeichen, dass diese Person erleuchtet ist.

 

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Abt-Friedhof im Lingyan-Tempel bei Jinan

 

Wir fahren weiter nach Norden, zur Unterkunft in Jinan. Morgen wird uns ein Zug zurück nach Beijing bringen. Heute gibt es zum Abschluss unserer Rundreise ein Festessen: Ein einziger, riesiger Rundtisch, außer uns Reisenden sind auch vier Chinesen geladen, die mit Hu Hsiang-fan befreundet sind.

Ich unterhalte mich mit einem von ihnen, der in Deutschland studiert hat und heute die Hälfte des Jahres in Deutschland, die andere Hälfte in China lebt. Und bin erstaunt, wie pessimistisch er die wirtschaftlichen und ökologischen Aussichten Chinas einschätzt. Ich frage ihn, warum seiner Ansicht nach die deutschen Medien durchweg so negativ über China berichten. Er meint, es sei immerhin schon besser geworden.

Als wir das Restaurant verlassen, wird an der Straße zu Konservenmusik fröhlich Gymnastik gemacht. Die Stadt ist bunt erleuchtet. Unsere regionale Reiseleiterin singt uns im Bus ein letztes Lied.

 

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Abendstimmung in Jinan

 

 

Tag 14 – Jinan, Zugfahrt nach Beijing

 

Drei Gepäckträger rollen die Koffer unserer Reisegruppe zum Bahnhof, 7:12 Uhr fährt unser Zug. Alles Gepäck wird durchleuchtet, das Gedränge ist groß. Aber dann rollen wir in den Morgen hinein.

Die Waggons haben fünf Plätze in einer Reihe, einen Dreier- und einen Zweier-Sitz, dazwischen der Gang. Als höchste Geschwindigkeit lese ich 304 Stundenkilometer ab.

Wir fahren vom Smog durch den Dunst in den Smog.

 

Im Laptop Filme –
während vor dem Zug der Smog
alle Stunden frisst.

    Zugfahrt Jinan – Beijing, morgens

 

In Beijing, wer sagt es denn, haben wir klaren Himmel, frische Luft. Wir bummeln durch die Fußgängerzone.

 

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Einkaufstraße Beijing

 

Wir besuchen den Lama-Tempel (auch Yonghe-Tempel genannt). Ehemals Residenz eines Prinzen, wurde die Anlage im Jahre 1744 in einen lamaistischen Tempel umgebaut. Noch heute leben hier Mönche des tibetischen Buddhismus. Teilweise besteht Fotografieverbot.

 

Knospende Blätter ...
Der beißende Opferrauch
eines Tempels.

 

Wanfuge –
der Buddha gefangen in einer Halle
ohne Ausgang.

Der Wanfuge-Pavillon, die „Halle des unendlichen Glücks“, wurde um einen riesigen, aus Sandelholz geschnitzten Buddha Maitreya (der kommende Buddha) erbaut. Die Figur ist 18 Meter hoch. 8 weitere Meter reicht der Stamm in den Boden. Fotografieren? Verboten.

Um den Buddha
eine Halle gebaut – nun wartet er
auf das Licht.

 

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Statue im Lama-Tempel Beijing

 

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Lama-Tempel Beijing

 

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Statue im Lama-Tempel Beijing

 

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Gebetsmühle im Lama-Tempel Beijing

 

Ein kleiner Junge
dreht die Gebetsmühle,
lacht Touristen an.

 

 

Tag 15 – Beijing

 

Platz des Himmlischen Friedens –
Wolken steuern
durch offenes Blau.

    Beijing, Platz des Himmlischen Friedens, vormittags

 

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Platz des Himmlischen Friedens, Beijing

 

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Tor des Himmlischen Friedens zur Verbotenen Stadt, Beijing

 

Wir gehen über den Platz des Himmlischen Friedens in die Verbotene Stadt. Nach dem ersten Tor kommt ein Vorplatz. Hinter dem nächsten Tor erst beginnt die Verbotene Stadt. Im Jahr 1406 befahl der dritte Ming-Kaiser den Bau. Die Anlage blieb auch während der folgenden Qing-Dynastie bis zu deren Ende im Jahre 1911 Sitz des chinesischen Kaisers.

 

In der Verbotenen Stadt –
der gemessene Gang
eines Straßenkehrers.

 

Verbotene Stadt.
Die ungeordneten Bewegungen
der Menschen.

Die stille Geometrie aller Gebäude. Wir betrachten die Halle der Wahrung der Harmonie: Erst hoch über den Dachreitern entfaltet sich ungeplant eine Wolke.

 

Verbotene Stadt.
Fernab des Menschenstroms
ein blühender Baum.

 

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Tor des Himmlischen Friedens, Beijing

 

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Verbotene Stadt, Beijing

 

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Palast der Himmlischen Reinheit, Verbotene Stadt, Beijing

 

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Halle der Irdischen Ruhe, Verbotene Stadt, Beijing

 

Wir besuchen eine Teestraße, der ein Markt mit zahlreichen Teeläden angegliedert ist. In einem der Geschäfte kosten wir ausgiebig. Am Eingang werden Dosen für den Versand verpackt. Zwei Mädchen springen umher. Auf der überdachten Straße stolzieren sie mit Regenschirmen vor dem Geschäft ihrer Eltern.

 

Singend
durch die Teestraße, während
die anderen probieren.

 

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Teemarkt, Beijing

 

 

Tag 16 – Beijing

 

Erwachen in Beijing.
Hinter dem Vorhang rauscht
das Meer.

Beijing liegt weit weg vom Meer; es ist Verkehrslärm. Aber zu was, wenn nicht zur Verschönerung der Welt, hat der Mensch seine Einbildungskraft?

 

 

Mittagessen der Wanderarbeiter

Aus einer mobilen Küche das Mittagessen
der Wanderarbeiter. Ein Lautsprecher plärrt.
Die Männer sitzen auf einem Mäuerchen
am Straßenrand, schweigen.
Dörfliche Armut. Jedes Mahl
ist ein Festmahl. Denken an
die Lieben daheim.

Die Zweige der Trauerweide
hängen ins Leere. Am Stamm lehnt
ein Bambusbesen.

    Beijing, Weg zum Gong Wang Fu (Palast des Kanzlers), nachmittags

 

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Fahrrad-Taxis, Beijing

 

Flinke Finger

Straßenmarkt.
Zwischen flinken Fingern
gleiten Gebetsperlen.
Die andere Hand hält
ein Mobil-Telefon.

    Beijing, Pan Jia Markt, nachmittags

 

Pan Jia Markt.
Ein Buddha, ein Buch?
Wir schwanken.

Und kaufen gar nichts.

 

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Pan-Jia-Markt, Beijing

 

Unser Flug geht spät. Die Zeit in den Abend hinein verbringen wir auf den Olympia-Stätten Beijings – eine Flaniermeile für die Einheimischen.

Die beleuchteten Sportstätten sind schön. Weit besser als die Monumente des Leistungssports hat uns allerdings das gefallen, was die Menschen im ganzen Land spontan veranstalten.

Tai Chi in Parks oder einfach an Straßenecken vor allem morgens und abends – das gibt es. Deutlich häufiger gesehen haben wir aber tänzerische oder gymnastische Bewegungen. Jemand bringt ein tragbares Abspielgerät mit, macht vor, andere schließen sich an.

Hu Hsiang-fan, selbst Tai-Chi-Meister, meint dazu: Dass Tai Chi gut ist, wissen alle. Aber es ist auch schwer – und so machen sie lieber das Leichtere.

Überhaupt schien mir – eine kleine Erkenntnis am Ende einer großen Reise –, dass sich Chinesen und Deutsche im Grunde erstaunlich wenig unterscheiden.

 

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Aussicht vom Olympia-Park, Beijing

 

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Flughafen Beijing

 

Heute ist Beijing kühl und bewölkt. Zu Hause wird es kalt und bewölkt sein. Doch der Frühling ist da. Na also!

Flügel haben wir nicht, aber wir fliegen!

 

 

Impressum

Texte, Fotos und Gestaltung: Volker Friebel
Alle Rechte vorbehalten
Eine erweiterte Fassung erschien als eBuch
ISBN: 978-3-936487-62-6 (eBuch, epub-Version)

 

 


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