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Volker Friebel

Eine Reise durch Vietnam
Fotos, Verse und Notizen

 

Wir reisen ab Ende Januar, also noch in der Trockenzeit. Ich sitze im Frankfurter Flughafen und blättere durch die geplanten Stationen:

Ein Flug durch die Nacht direkt nach Saigon, wo wir morgens landen. Diesen ersten Tag werden wir uns die größte Stadt Vietnams ansehen.

Busfahrt südwärts nach Cai Be ins Mekong-Delta, die Reisschüssel Vietnams. Boote werden uns durch das Gewirr der Mekong-Arme fahren. Übernachtung in Can Tho (1,2 Millionen Einwohner), der Hauptstadt des Deltas.

Auf dem Boot zu den schwimmenden Märkten Can Thos. Mit dem Bus zurück nach Saigon. Besuch des chinesischen Viertels.

Flug von Saigon nach Hue. Parfüm-Fluss. Thien Mu-Pagode. Zitadelle mit Kaiserpalast.

Bootsfahrt auf dem Parfüm-Fluss von Hue zum Dorf Thuy Bieu. Wieder in Hue Besuch der Grabanlagen zweier Kaiser.

Busfahrt über den Wolkenpass nach Hoi An. Station in Da Nang, dort Besuch eines Museums zum früher hier ansäßigen Volk der Cham.

Ein Tag im Städtchen Hoi An.

Flug von Da Nang nach Hanoi. Stadtbesichtigung. Literaturtempel.

Busfahrt ans Meer zur Halong-Bucht. Auf der Dschunke durch die Inselwelt, mit Übernachtung auf dem Schiff.

Flug von Hanoi nach Luang Prabang (Laos), mit dem dieses Buch endet.

 

Zur Netz-Version des Buchs: Jeder Reisetag bildet ein Kapitel. Fotos und Notizen dichterischer Art von unterwegs, meist in Form von Haiku, wechseln sich ab. Das Material des eBuchs ist für diese Netz-Version gekürzt. Sachinformationen zu den besuchten Orten sind hier fast ganz weggelassen.

Klicks auf die Unterschriften der Fotos führen zu größeren Versionen der Bilder (1200x900 Pixel).

 

 

Tag 1 – Saigon

Ankunft auf dem Flughafen von Saigon. Hauptpost. Kathedrale Notre-Dame. Wiedervereinigungspalast. Platz vor der Stadthalle (dem ehemaligen Rathaus). Ben-Thanh-Markt.

 

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Vor dem Flughafen Saigon

 

Wir treten aus dem Flughafen-Terminal vor eine Wand von Menschen, viele mit Schildern, die hinter Sperren auf die Reisenden warten. Die Luft ist schwül-warm. Es ist 7 Uhr morgens. Ein paar Palmen bewegen sich im leichten Wind. Fortwährend hupen Autos – dabei scheint keiner wütend zu sein. Wir sind erschöpft. Ich bin aufgeputscht von der Unglaublichkeit eines Flugs durch den Himmel. Das Hupen nervt, wie auch die Auslassungen des Reiseleiters über die nötige Vorsicht in der Millionen-Stadt. Wir fahren zum Hotel, warten lange, beziehen Zimmer, ruhen uns einige Stunden aus, bis um 15:00 Uhr eine Stadtbesichtigung beginnen soll.

 

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Hauptpost Saigon

 

Am Vereinigungspalast
zwei Panzer,
hinter Touristenbussen.

 

Diese beiden Panzer durchbrachen bei der Eroberung Saigons durch Nord-Vietnam am Vormittag des 30. April 1975 als erste das Tor zum damaligen Unabhängigkeitspalast, Arbeitsplatz des Machthabers Süd-Vietnams. Sie beendeten damit den Vietnamkrieg und stehen hier als Museumsstücke. Der Zugang kostet Geld. Das mag ich für Panzer nicht bezahlen.

 

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Wiedervereinigungspalast, Saigon

 

Der Puls Saigons –
Über die Kreuzung schwappen
Mopedfahrer.

 

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Straße in Saigon

 

Milchiger Himmel. Die Sonne kommt hier und da durch. Fast alle Einheimischen sind dünn. Das muss an der Art ihrer Ernährung liegen, die Geschäfte sind voll.

Das Farbenspiel der Ampeln. Viele Menschen tragen einen Mundschutz, vor allem auf den Mopeds, die sie meist zu zweit oder dritt besetzen. Die Atmosphäre ist friedlich, fast gelassen, obwohl viel gehupt wird und die Zweiräder oft riskant bei Rot über die Kreuzung fahren.

An den Krieg, mit dem der Name Vietnam so sehr belastet ist, erinnert dem Augenschein nach kaum etwas. Obwohl es noch immer Minenopfer gibt und Millionen Opfer der chemischen Verseuchung durch das Entlaubungsmittel Agent Orange. Wegen einer Veränderung des Erbguts ziehen sich Missbildungen nun schon durch Generationen. Die Menschen wollen nichts davon wissen. Sie wollen ein Moped.

Ein wenig erfahren wir vom Reiseleiter. Als er sieben Jahre alt war, starb sein Vater beim Entschärfen einer Bombe. Das war sein Geschäft, er war Ingenieur.

 

Draußen vor den Markthallen an den Wänden die Märkte der Armen, die auf dem Boden sitzen, ihre ganze Hoffnung ausgebreitet vor sich. Ein Karren bietet geröstete Süßkartoffeln. Der Junge wendet die Früchte, dann fährt er mit seinem Dreirad los, hinein in den Autostrom. Im Korb eines anderen Fahrrads sind Feigen, die Händlerin spricht uns an.

 

 

Tag 2 – Saigon, Mekong-Delta

Wechselnde Bewölkung, etwas dunstig, Höchsttemperatur 30 Grad Celsius.

Busfahrt ins Mekong-Delta. Bootsfahrten bei Cai Be. Übernachtung in Can Tho.

 

Ein Bus bringt uns in das Mekong-Delta. Lange geht es erst durch die Millionenstadt Saigon, dann durch die weite Ebene.

 

Diese Zeit ist für Vietnam eine Zeit der Mopeds und der Tante-Emma-Läden. Kaufhäuser gibt es nicht, nur endlos scheinende Reihen winziger Geschäfte.

Die Frontseite der Häuser ist schmal, wegen der hohen Immobilienpreise an den Verkehrsstraßen, die Häuser sind dafür tief nach hinten gebaut. Vorne befindet sich ein Laden, dahinter eine Werkstatt, darüber wohnt die Familie. Und im obersten Stock steht der Ahnenaltar.

Es heißt: Wer einen Laden hat, der hat auch zu leben. Jeder will einen Laden.

 

Saigon-Fluss –
ein Boot bringt den Duft
des Mekong-Deltas.

 

Hausboote haben angelegt. Die Wohnungspreise, obwohl letztes Jahr um die Hälfte eingebrochen, sind hoch. Kein Bauer kann sie sich leisten. So wohnen manche auf Booten. Ein Kanal verbindet die Flüsse Saigons mit dem Mekong-Delta.

 

Hausboote.
Schilf vom Mekong dorrt
in der Hitze Saigons.

 

Ausfahrt Saigon.
Ein Hausboot
legt an den Himmel an.

 

Busfahrt ins Mekong-Delta

Am Rand der Autobahn Grabstätten.
Es ist Trockenzeit, doch in Feldern
glänzt hier und da Nass. Gänse
schwimmen im See. Ein Wasserbüffel
schaut unter den Zotteln bis fast
in mein Herz. Im Feld die grünen Spitzen
der aufgebrochenen Saat.
Im Fluss pendelt Grün, lässt Blüten sich
der Sonne öffnen. Hausboote
treiben vorbei. In die Hitze des Himmels
steht Schilf. Das Blau ist milchig.
Ein Bauer geht auf dem schmalen Pfad
zwischen zwei Feldern. Wohin fahren wir?
Zwischen zwei Feldern. Vom Bus ein Blick
in eine Halle voll Säcke. Ein Straßenlokal
am Morgen – alle Hängematten sind leer.
Ein Bauer verdient nichts. An einem Zaun
hängen trotzig bunte Tücher im Wind.
Landarbeiter, unter dem spitzen Hut
und dem Himmel, bücken sich immer wieder,
zur Erde hin. Vor einem Haus
spielen Kinder.

 

Bei Ca Be fahren wir auf dem Mekong, erst auf einem Schiff, dann im Ruderboot.

 

Ein Kahn, beladen
mit Ananas. An einer Leine
flattert Wäsche.

Wasserhyazinthen pendeln. Eine Frau schält einen Apfel, lässt die Schalenstreifen dem Strom.

 

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Kähne
Flussfahrt bei Cai Be, Mekong-Delta

 

Bootsfahrt

Uns auf dem engen Flussarm entgegen
tuckert ein Boot, beladen mit Kindern
und Bierkästen, bringt den Mekong
zum Schwanken. Auf der Uferbefestigung
balancieren zwei Jungen, greifen nach Rosenäpfeln,
winken den Fremden zu. Über das Wasser
schwingt eine Brücke, vom Grün in das Grün,
mit Würsten auf Stangen zum Trocknen.
Vor der verfallenen Anlege ein alter Baum,
aus dem Spiegel des Flusses gestiegen.
Der Schrei eines Vogels durchstößt das Gewirr.
Ein leeres Lagerhaus, mit Schilfrohr gedeckt.
Am Ufer sind Kähne festgemacht, in denen
Müll dümpelt. Schilfrohr hat hier Halt gemacht
auf seinem Weg hinein in den Fluss.
Hühner suchen den Hang ab.
Unter meinem Spitzhut der Schatten
vietnamesischer Sonne.
Die Bilder wabern in eines
mit den Träumen.

 

Ein gleitendes Boot.
Aus den Wasserhyazinthen
fliehen weiße Vögel.

 

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Bootsfahrt bei Cai Be, Mekong-Delta

 

 

Tag 3 – Mekong-Delta, Saigon

Wechselnde Bewölkung, Höchsttemperatur 32 Grad Celsius.

In Can Tho Bootsfahrt zu einem schwimmenden Markt. Busfahrt durch das Mekong-Delta nach Saigon. Dort im Chinesischen Viertel und im Tempel der Meeresgöttin Thien Hau.

 

Ein Bein angewinkelt –
der Skipper hält die Bootsschraube
fest in den Mekong.

 

Durch den Schwimmenden Markt treiben Wasserhyazinthen. Einige Blüten haben ihre Augen in den Himmel aufgeschlagen. Motoren tuckern ringsum. Das ist ein Großhandel, Ladenbesitzer und Hotels kaufen hier. Holz, Chrysanthemen, Melonen: Aus dem großen Kahn geht es von Hand zu Hand in den kleinen. Der umgekehrte Lauf des Geldes bleibt unsichtbar.

 

Wir wundern uns über die unglaublich vielen Blumen überall und erfahren: Am ersten Tag im ersten Monat des chinesischen Mondkalenders ist Tet-Fest, Neujahrsfest. Dieses Jahr fällt es auf den 31. Januar. Zu diesem wichtigsten vietnamesischen Feiertag schmückt jede Familie ihr Haus mit gelben Chrysanthemen. Einige Tage sind arbeitsfrei und jeder, der kann, besucht seine Familie.

 

Zwischen Lastkähnen –
die Jungen reichen Melonen,
klatschen daran.

 

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Boote auf dem Mekong, Can Tho

 

Der Bus bringt uns durch das Mekong-Delta zurück nach Saigon.

 

Inmitten vieler der kleinen Felder liegen Gräber. Wie viele Handvoll Reis für die Vorfahren!

Den sprießenden Reis hoch
steigt Wasser.
Eine Grabstätte.

 

Der Junge am Verkaufsstand liest während eines Geschäftsabschlusses sein Handy ab. Wir sind auf dem Binh Tay Markt, gegründet im chinesischen Viertel Saigons von Quach Dam, einem in China geborenen erfolgreichen Geschäftsmann, erst nach seinem Tod wurden die Hallen fertiggestellt. Das war im Jahre 1939. In der Mitte liegt ein freier Platz, eine Gedenkstätte für den Gründer. Menschen kommen und opfern mit der Bitte um wirtschaftlichen Erfolg Räucherstäbchen und Geld.

Als wir die Markthalle verlassen, sehen wir unsere ersten und lange Tage einzigen buddhistischen Mönche in Vietnam. Sie sitzen am Straßenrand und lächeln heiter ins Brausen des Verkehrs, in das Stakkato der Mopeds, den Lärm und Schmutz einer Millionenstadt.

 

Chinesischer Markt
in Saigon. Handys klingeln
in alle Düfte.

 

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Zentralplatz Binh Tay Markt, Chinesisches Viertel, Saigon

 

An der chinesischen Apotheke
die Stöße
der Mopeds.

In der kleinen Apotheke (reger Betrieb) entdecke ich unter den Regalen eine Nische mit Weihrauch und einigen Figuren, vielleicht Ahnen oder Schutzgöttern.

 

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Altar in der Apotheke, Chinesisches Viertel, Saigon

 

Im Tempel der Meeresgöttin Thien Hau, Patronin der Fischer und Seeleute, die vor allem von den eingewanderten Chinesen verehrt wird. Die Immigranten waren chinesische Beamte, die am Ende der Ming-Dynastie (das Jahr 1644 nach unserer Zeitrechnung) flohen, weil sie sich den neuen Herren nicht beugen wollten. Bei der Überfahrt gerieten ihre Schiffe in Not. Eine Erscheinung der Meeresgöttin rettete sie. Sie bauten für ihre Retterin Tempel, verehrten die Himmlische, bis heute, und die Vietnamesen verehren sie mit ihnen.

 

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Tempel der Meeresgöttin, Chinesisches Viertel, Saigon

 

 

Tag 4 – Saigon, Hue

Wechselnde Bewölkung, Höchsttemperatur 27 Grad Celsius.

Frühmorgens ein Flug von Saigon im Süden nach Hue in der Mitte Vietnams.

 

Hue hat etwa 300.000 Bewohner und liegt am Parfüm-Fluss. Der wird so wegen des Dufts wilden Ginsengs genannt, den er, von den Bergen kommend, manchmal mit sich führen soll, sagt der Reiseleiter. Das klingt schön, wir glauben es gern.

Die Jahre 1802 bis 1945 nach unserer Zeitrechnung war Hue die Kaiserstadt Vietnams. Der ehemalige Kaiser-Palast wurde nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Beijing angelegt, ist allerdings wesentlich kleiner. Ich fand ihn eben deshalb luftiger und schöner.

Er liegt an der Zitadelle von Hue, um die es im Vietnam-Krieg während der kommunistischen Tet-Offensive 1968 äußerst harte Kämpfe gab. Es berührt seltsam zu wissen, dass dieser Boden mit Blut buchstäblich getränkt ist.

Etwas abseits der Stadt ragt siebenstöckig die Thien Mu Pagode in den Himmel. Sie ist die höchste Pagode Vietnams und wurde im Jahre 1601 errichtet. Zu ihr gehört ein buddhistisches Kloster. Wir treffen dort einige geduldige Mönche, die sich mit dem Besucherstrom arrangiert haben und eine Klangschale für uns anschlagen.

 

Im Innenbereich der weiträumigen Zitadelle von Hue das kurzgeschnittene Gras – und der Wind! Vor dem Kaiser-Palast wehen bunte Fahnen, während unter den Seerosen im schmutzigen Teich Goldfische schwimmen.

Im Palast
ein goldener Thron, abgesperrt,
leer.

 

Verbotene Stadt von Hue –
ich fotografiere
Wolken.

 

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Kaiserpalast, Hue

 

An der Thien-Mu-Pagode treffen wir wieder den Wind.

 

In den Ton einer Klangschale
Kameraklicken.

 

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Thien Mu Pagode, Hue

 

 

Tag 5 – Hue

Wechselnde Bewölkung, Höchsttemperatur 27 Grad Celsius.

Nach dem Frühstück im Hotel fahren wir mit dem Drachenboot auf dem Parfüm-Fluss. Wir wollen etwa sieben Kilometer aufwärts zum Dorf Thuy Bieu.

 

Morgen in Hue.
Eine Frau wäscht ihr Haar
im Parfüm-Fluss.

 

Auf dem Drachenschiff

Den Parfüm-Fluss aufwärts –
das Drachenschiff tuckert fernen Hügeln zu,
an der Pagode vorbei.
Das Herz ist weit, der Himmel atmet
weiße Wolken.

Niemand neidet den Wolken
das Blau. Nur einander beneiden
die Menschen sich, zeigen ihr Gold,
stellen sich übereinander,
obwohl die Erde doch flach ist.

Waren sind ausgelegt:
Ein Junge, der flötespielend
auf seinem Ochsen reitet, ein Buddha,
Taschen und bunte Figuren aus Ton.
Mit Träumen umgeben wir uns.

Wer aber ist der wirklich,
der der Schifferin Scheine hinlegt?
Das weiß keiner.

 

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Bootsfahrt auf dem Parfüm-Fluss bei Hue

 

Wir legen am Dorf an, steigen vom Drachenschiff Stufen hinauf. Räucherstäbchen stecken im Boden. Nach dem Mittagessen an einer langen Tafel am Fluss gehen wir durch Thuy Bieu. Die Häuser zeigen ihren Wohlstand. Vor jedem Wohnsitz ein Altar mit Gaben für die Ahnen. Besonders wohlhabende Häuser haben einen eigenen kleinen Ahnentempel. Ein Mann bittet uns in sein Haus, beschenkt uns. Die Jahreswende ist nah. Vom Dorf tönt Musik aus Lautsprechern, überflutet die leeren Felder.

 

In der Schale Früchte
dem Erdgeist. Uns bietet der Hausherr
Naschwerk an.

Am Haus angebaut ein Familientempel, hinter eisernen Dornen.

 

Lautsprecherdurchsage
auf der Dorfstraße. Der Falter
flattert weiter.

 

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Ahnenaltar vor einem Haus im Dorf Thuy Bieu bei Hue

 

Wir besuchen das Grabmal des 4. Kaisers der Nguyen-Dynastie Tu Duc (1829-1883). Es liegt etwa 6 Kilometer außerhalb und soll das schönste der Kaisergräber von Hue sein. Ein kleiner See, ein Haus. Die Anlage diente auch als Sommerpalast. Wo das eigentliche Grab liegt, ist unbekannt.

 

Wind!
Neben dem Grabmal
ein Wald hoher Bäume.

 

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Grabanlage des vierten Kaisers, bei Hue

 

Das Grab des 12. Kaisers der Nguyen-Dynastie Khai Dinh (die Jahre 1885-1925), etwa neun Kilometer außerhalb von Hue. Es ist kleiner als das des 4. Kaisers und enthält gleichfalls einen Palast.

 

Die Pracht um das Grabmal
des Kaisers,
dem das Land entglitt!

 

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Grabanlage des zwölften Kaisers, bei Hue

 

 

Tag 6 – Hue, Hoi An

Wechselnd bewölkt, Höchsttemperatur 27 Grad Celsius.

Wir frühstücken in Hue. Dann bringt uns der Bus in einer langen Fahrt über den Wolkenpass (Mitte des Landes, Wetterscheide zwischen Nord- und Süd-Vietnam) und nach einem Halt in Da Nang in das Städtchen Hoi An.

 

Geflutetes Reisfeld.
Ein weißer Vogel schreitet
im gespiegelten Weiß.

 

Zur Muschelzucht
Pfähle im See. Noch tiefer reichen
die Berge.

 

Hinter der Stille
des Sees ein Kaffeehaus –
ausblenden.

 

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See vor dem Wolkenpass
Busfahrt von Hue nach Hoi An

 

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Meer unterm Wolkenpass
Busfahrt von Hue nach Hoi An

 

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Da Nang, gesehen vom Wolkenpass
Busfahrt von Hue nach Hoi An

 

Reisfeld.
Vom Wasserbüffel äugt
ein weißer Reiher.

 

Auf dem Laternenpfahl:
Zwei Spatzen
regeln den Autoverkehr.

 

Strandspaziergang.
Die Ruhe wächst
im Brausen der Wellen.

 

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Strand von Da Nang

 

Das Städtchen Hoi An liegt ziemlich genau in der Mitte Vietnams an der Mündung eines Flusses ins Südchinesische Meer. Es hat 75.000 Bewohner.

Hoi An wird gern von Touristen besucht: Seine Altstadt gilt als die einzige, die im Vietnam-Krieg unzerstört blieb.

 

Vom Nackenjoch verkauft sie
Bananen. Die glücklichen Augen
der alten Frau.

 

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Straßenverkauf, Hoi An

 

 

Tag 7 – Hoi An

Meist blau, Höchsttemperatur 27 Grad Celsius.

Wir verbringen den Tag in Hoi An. Die schöne Stadt zeigt sich schon morgens lärmig und heiß. Da genieße ich bald das Wasserbecken des Hotels und den Garten. Das Zimmer teilen wir mit Stechmücken. Sie plagen aber lange nicht so sehr wie erwartet. Und bisher waren wir fast ganz von ihnen verschont.

 

Ein neues Jahr!
Auf dem leeren Marktstand
das offene Kartenspiel.

 

Morgenandacht.
Ein Mann schwenkt Räucherstäbchen
zum Kanal.

 

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Kanal, Hoi An

 

 

Tag 8 – Hoi An, Hanoi

Bedeckt, Höchsttemperatur 25 Grad, ein paar Regentropfen.

Nach einem frühen Frühstück in Hoi An bringt uns ein Bus zum Flughafen Da Nang. Wir wollen nach Hanoi.

 

Vor dem Flughafen
ein Feld, zwei Büffel,
drei Gräber.

Nach der Landung geht die Fahrt durch verarmtes Land in die glänzende Stadt.

 

Elektroautos fahren uns durch die Altstadt von Hanoi. Dann geht es zum Literaturtempel und ins „Hilton“-Gefängnis. Überall ist sehr viel los. Zum vietnamesischen Neujahr haben die Menschen einige Tage frei – und nutzen sie. Auf einer Insel im Hoan-Kiem-See besuchen wir einen weiteren Literaturtempel und einen Tempel für Ärzte.

 

Literaturtempel.
Ein Kohlweißling fliegt schnurstracks
vorbei.

 

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Straße in Hanoi

 

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Zeremonie im Literaturtempel, Hanoi

 

Masken

Maske der Ahnen,
Maske des Buddhas,
Maske des Kapitalismus,
Maske des Vietkongs ...

In Wirklichkeit ist da nur
dieses Lächeln, das sich
in diesem oder jenem zeigen kann,
oder der Zorn oder das,

was fortwährend tief in den Menschen
einfach entsteht, ohne Ahnen,
ohne Buddha, ohne Kommunismus,
ohne Kapitalismus.

 

 

Tag 9 – Hanoi, Halong-Bucht

Erst bedeckt, später wechselnd bewölkt, um 25 Grad Celsius.

Unser Bus fährt unter einem bedeckten Himmel von Hanoi knapp 150 Kilometer ostwärts bis zum Hafen der Halong-Bucht. Dort erwartet uns eine Dschunke, die uns durch die Inselwelt tragen soll. Wir werden eine Höhle besuchen, den Gipfel einer Insel besteigen und auf dem Schiff übernachten.

 

Ein Nackenjoch:
Unter dem Strohhut geht es
zum Horizont.

Die Straße ist staubig. Touristenbusse fahren vorbei. Wo sie halten, lassen sich Geschäfte machen.

 

Halong-Bucht heißt Bucht des herabsteigenden Drachens. Einer Legende nach (es gibt mehrere) soll eine Drachenmutter mit ihren Kindern den von Feinden bedrohten Vietnamesen zu Hilfe geeilt sein. Sie spuckte 3.000 Perlen ins Wasser, die zu Felsinseln wuchsen und den Angreifern den Weg versperrten.

Schöneres als die Bucht mit ihren bewaldeten Inseln, Höhlen und Binnenseen dürfte es kaum geben. Schwärme von Dschunken durchpflügen das Meer. Die Einheimischen wohnen in schwimmenden Dörfern. Sie fischen, züchten Austern und handeln. Wer einen genaueren Blick auf das wirft, was im Wasser dümpelt, wird die Bucht trotzdem noch lieben.

 

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Dschunken-Fahrt, Halong-Bucht

 

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Hang Sung Sot Höhle, Halong-Bucht

 

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Ausblick
von der Ti Top Insel auf die Halong-Bucht

 

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Ausblick
von der Ti Top Insel auf die Halong-Bucht

 

 

Tag 10 – Halong-Bucht, Hanoi

Wechselnd bewölkt, um 25 Grad Celsius.

Wir erwachen staunend auf einer Dschunke und erleben den Sonnenaufgang in der Halong-Bucht. Der Tag beginnt dunstig, wie es hier häufig ganztags ist – aber bald zeigt sich das Blau wieder am Himmel. Mit einem Boot werden wir durch einen Felsdurchbruch den Binnensee einer kleinen Insel erreichen, dort Affen beobachten. Wir werden durch die Inselwelt kreuzen und am späten Vormittag wieder den Hafen erreichen, für unseren Bus zurück nach Hanoi.

 

Still
der flache Kahn eines Händlers.
Morgendämmern.

 

Spiegelungen
von Felsen.
Müll treibt vorbei.

 

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Morgendämmerung in der Halong-Bucht

 

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Morgen in der Halong-Bucht

 

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Luon Höhle, Halong-Bucht

 

Stille See.
Mitten im Unrat
ein Fischerboot.

 

Ankernde Boote.
Die See ist still.
Die Felsen sind still.

 

Fels um Fels treibt vorbei,
Meer um Meer.
Wir sind Träume.

 

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Siedlung in der Halong-Bucht

 

Ein Bus bringt uns zurück in das Meer der Häuser, Hanoi.

 

Nach dem Neujahrsfest –
im Müllcontainer
ein blühender Mandelzweig.

 

 

Tag 11 – Hanoi, Luang Prabang

Morgendunst, Tagesbläue mit ein paar Wolken. Bis 35 Grad Celsius.

Nach einem letzten Frühstück in Vietnam fliegen wir in einer Fokker 70 von Hanoi nach Luang Prabang, der früheren Königsstadt von Laos. Damit endet dieses Buch und ein anderes beginnt.

 

Vor Geschäftsbeginn.
Ein Mann kniet nieder
am Ahnenaltar.

    Hanoi, Busfahrt vom Hotel zum Flughafen

 

 

Impressum

Texte, Fotos und Gestaltung: Volker Friebel
Alle Rechte vorbehalten
Eine erweiterte Fassung erschien als eBuch
ISBN: 978-3-936487-66-4 (eBuch, epub-Version)

 

 


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