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Volker Friebel

Kambodscha
Fotos, Verse und Notizen

 

Der Flughafen von Vientiane, Laos. Wir warten auf das Flugzeug nach Phnom Penh. Die Zeit ist lang, ich blättere durch meine Notizen zu Kambodscha.

Flug von Vientiane (Laos) nach Phnom Penh (Kambodscha). Apsara-Tanzschule. Khmer-Museum. Zentralmarkt.

Busfahrt von Phnom Penh zur ehemaligen Hauptstadt Oudong. Zurück in Phnom Penh Besichtigung des Königspalasts.

Flug von Phnom Penh nach Siem Reap. Tempelgruppe von Roluos. Angkor Wat.

Angkor Thom. Gesichtertürme des Bayon-Tempels. Elefanten-Terrasse. Terrasse des Lepra-Königs. Ta Prohm.

Tempelanlage Banteay Srei.

Rückflug von Siem Reap über Hanoi nach Frankfurt am Main.

 

Zur Netz-Version des Buchs: Jeder Reisetag bildet ein Kapitel. Fotos und Notizen dichterischer Art von unterwegs, meist in Form von Haiku, wechseln sich ab. Das Material des eBuchs ist für diese Netz-Version gekürzt. Sachinformationen zu den besuchten Orten sind hier fast ganz weggelassen.

Klicks auf die Unterschriften der Fotos führen zu größeren Versionen der Bilder (1200x900 Pixel).

 

Gleich nach der Ankunft in Pnomh Penh wohnen wir einer Übungsstunde von Schülern des Apsara-Tanzes bei und besuchen das Nationalmuseum, das sich ganz der Khmer-Kultur widmet. Nachts im Restaurant bewundern wir wieder den Apsara-Tanz, den wir die nächsten Tage, zu Stein erstarrt, auch auf den Reliefs der Tempel zu sehen bekommen werden.

Apsaras sind in der hinduistischen Mythologie halb menschliche, halb göttliche Frauen im Palast des Gottes Indra. Sie gelten auch als Geister von Wolken und Gewässern, entsprechen damit ungefähr den Nymphen der griechischen Mythologie. Der wichtige Khmer-König Jayavarman II. (Amtsantritt das Jahr 802/803 unserer Zeitrechnung) soll das Reich von Indra verliehen bekommen haben, die Apsaras lehrten dieser Legende zufolge damals den Menschen die Kunst des Tanzes.

Nach dem armen kommunistischen Laos, in dem jeder sein kleines Auskommen zu haben schien, registrieren wir im kapitalistischen Phnom Penh wieder mehr dicke Autos – und Bettler.

 

In der Tanzschule –
Bewegungen von Pflanzen,
Mensch geworden.

 

Zwischen Hindu-Göttern
vorsichtig gehen –
auf schadhaften Fliesen.

 

Eine Taube fliegt auf,
im Hof des Museums.
Statuen starren.

 

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Nationalmuseum Phnom Penh

 

Straßenlokal.
Durch den Ventilator blinkt
ein Stern.

 

Apsara-Tänzerin,
Blumen wirft sie
in die kambodschanische Nacht.

 

 

Phnom Penh, Oudong

Wechselnd bewölkt, 37 Grad Celsius.

Nach dem Frühstück geht es zum Königspalast und dann zum Zentralmarkt. Anschließend fährt uns ein Bus etwa 40 Kilometer am Tonle-Sap-Fluss entlang nach Oudong.

 

Augen

Vor dem Fenster steigt Gesang,
Palmblätter rauschen.
Im Zimmer braust die Klimaanlage,
überfordert von den Resten
des Khmer-Reichs: der Sonne.

 

Königspalast.
Ein Mönch schreitet leicht
unter Taubenflattern.

Grasflächen im Park. Trockenzeit. Um den Rasensprenger picken Tauben.

 

Phnom Penh.
Regent im Königspalast
ist die Hitze.

 

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Königspalast Phnom Penh

 

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Königspalast Phnom Penh

 

Oudong war vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Jahre 1866 Königsstadt. Es liegt etwa 40 Kilometer nordwestlich von Phnom Penh. Außer einer Grablege der Könige ist wenig erhalten. Der frühere Königshof ist heute ein Kloster. An der Straße gibt es viele Verkaufsstände. Bei unserem Besuch hatten die meisten geschlossen.

 

Bestattungsgesang.
Ein Bodhi-Blatt heb ich auf,
lass ich fallen.

Alles überschwemmendes Licht.

 

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Gedenkstätte in Oudong

 

Eine kleine Denkstätte. Hinter dem Gitter erkennen wir Totenschädel – geborgen auf dem Gelände aus einem Massengrab der Roten Khmer.

 

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Ganesha, der Elefantengott, Oudong

 

Überschwemmte Weiden.
Eine Kuh schlägt mit dem Schwanz
nach der Sonne.

 

Motorwerkstatt.
Die Sonne sitzt auf dem Pflaster,
brütet.

 

 

Siem Reap, Roluos-Gruppe, Angkor Wat

Erst bedeckt und kühl, ab Mittag auch Sonne und bis 37 Grad Celsius.

Frühmorgens fliegen wir von Phnom Penh nach Siem Reap (etwa 140.000 Einwohner). Das Städtchen lebt weitgehend vom Tourismus, es ist Ausgangsstation zu den Tempelanlagen der Khmer, bei denen wir den Tag verbringen. Die Anlagen verteilen sich über ein weites Gebiet. Erst besichtigen wir die drei kleinen Tempel Prea Ko, Bakong und Lolei. Nach der Mittagspause geht es nach Angkor Wat.

 

Am Dorf Roluos, etwa 12 Kilometer östlich von Siem Reap, liegt die sogenannte Roluos-Gruppe. Dazu gehören drei Tempel: Preah Ko (im Jahr 879 Shiva geweiht, dem Gott der Zerstörung und des Neubeginns), Bakong (geweiht im Jahre 881 gleichfalls Shiva) und Lolei (geweiht im Jahre 893 zu Ehren eines Königs). Die Tempel sind je etwa einen Kilometer voneinander entfernt.

 

Am Shiva-Tempel
hat sich ein Stier niedergelassen –
unter der Sonnenwucht.

Der Stier Nandi ist Reittier Shivas und gilt als eines seiner Symbole.

 

Am Shiva-Tempel
der Torwächter – seit tausend Jahren
fletscht er mich an.

 

Schwarz gebrannt Stufen
zu Shiva – durch alles zerstörendes
Licht.

 

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Preah Ko

 

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Bakong

 

Am Königstempel –
Spatzenflügel bewegen
den Staub.

 

Ockerfarbene Roben,
gehängt zwischen Baumriesen
und verfallenen Tempeln.

 

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Lolei

 

Angkor Wat wurde unter dem König Suryavarman II. (Herrschaftszeit die Jahre 1113 bis etwa 1150 nach unserer Zeitrechnung) errichtet und ist Vishnu geweiht. Während im Hinduismus Brahma die Schöpfung repräsentiert und Shiva die Zerstörung, wird Vishnu mit der Erhaltung verbunden.

Angkor Wat ist die größte und bekannteste Tempelanlage von Angkor. Errichtet als Staatstempel, befindet es sich im südöstlichen Teil der alten Khmer-Hauptstadt Yasodharapura. Von der Hauptstadt ist kaum mehr etwas zu ahnen, da alle Gebäude, bis auf die Tempel, aus Holz waren. Einschließlich des Wassergrabens, der die rechteckige Anlage umgibt, misst sie 1,5 x 1,3 Kilometer.

 

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Schlangenwächter am Dammweg von Angkor Wat
Der Damm überquert den Wassergraben, der Angkor Wat umgibt.

 

Angkor Wat –
der Dammweg, im Licht geschmolzene
Steine.

 

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Angkor Wat

 

Ein Tanz für Vishnu –
auf der Mauer,
erstarrt im Licht.

 

Bäume singen
am Seerosenteich. Stumm
starren Steine.

 

Das Relief an der Wand eines Ganges in den Vorbauten von Angkor Wat zeigt eine große Schlacht. Fremdenführer erläutern es in allen Sprachen der Welt.

 

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Reliefwand Angkor Wat

 

Schwarz verbrannt
vom Himmel – das Gesicht
einer Tänzerin.

 

Im Stein die Bewegung
des Tanzes, festgenagelt
vom Licht.

 

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Relief Angkor Wat

 

Angkor Wat

Den Rücken kühlen lassen vom Wasser,
von schwarz verbrannten Steinen
des Tempels. Vor uns ein Bodhi-Baum,
in seinen Blättern spielt Wind.
Viele Sprachen bewegen die Luft.
Das Wasser ist still. Den Staub
hat niemand gezählt und nicht die Tänzerinnen
in den Steinen des Wats. Busse rollen an
und Tuk-Tuks. Der Himmel
ist immer schon da,
ist niemals gegangen.

 

 

Angkor Thom, Ta Prohm

Bewölkt mit Auflockerungen, bis 32 Grad Celsius.

Mit dem Bus fahren wir von Siem Reap sieben Kilometer in den Norden nach Angkor Thom („Große Hauptstadt“) und besichtigen verschiedene Tempel. Mittagspause an einem Wassergraben. Nachmittags Besichtigung von Ta Prohm.

 

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Südtor von Angkor Thom

 

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Wächter am Südtor von Angkor Thom

 

Apsara-Tänzerin.
Jahr um Jahr verschwindet sie tiefer
im Stein.

 

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Bayon

 

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Bayon

 

Elefantenterrasse –
zwei Schmetterlinge
umkreisen sich.

 

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Elefantenterrasse, Angkor Thom

 

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Phimeanakas-Tempel, Angkor Thom

 

An der Terrasse des Lepra-Königs
Steine
im abgefallenen Laub.

Der Name der Terrasse wird auf eine ihrer Statuen zurückgeführt, die angeblich den Erbauer der ersten Königsstadt in Angkor zeigt, der an Lepra gestorben sein soll. Wahrscheinlich stellt diese Statue Yama, den hinduistischen Todesgott dar. Auf der Terrassee steht heute nur noch eine Kopie. Die Terrasse diente vielleicht als Platz für Verbrennungsriten bei der Bestattung von Mitgliedern der Königsfamilie und hohen Würdenträgern.

 

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Terrasse des Lepra-Königs, Angkor Thom

 

Ein Hahn kräht.
Wasserblumen schaukeln
auf Wolken.

 

Die Tempelanlage Ta Prohm liegt etwa zwei Kilometer nordöstlich von Angkor Wat. Errichtet wurde die Anlage unter König  Jayavarman VII. vom späten 12. bis ins 13. Jahrhundert hinein. Die Anlage ist der Mutter des Königs gewidmet, die, wie er, buddhistisch gesinnt war. Dennoch gibt es in Ta Prohm viele Reliefs mit Darstellungen aus der hinduistischen Mythologie.

Das Besondere für den heutigen Besucher: Ta Prohm wurde archäologisch nur notdürftig gesichert, aber nicht restauriert. Der Dschungel ist im Besitz der Gemäuer geblieben. Besonders eindrücklich sind die großen Bäume. Aus Mauern und Gebäuden gewachsen, sind sie eine Verbindung mit dem Stein eingegangen. Die Türen sind nicht so klein, sondern die Bäume so groß. Ein tief beeindruckender Ort.

 

Schmetterlinge!
Ein Tanz über Trümmersteinen
und fallendem Laub.

Zwischen Staubkorn und Staubkorn ihr Weg in den Himmel.

 

Bunte Töne der Vögel.
Steine liegen durcheinander
im Staub.

 

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Ta Prohm

 

 
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Ta Prohm

 

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Ta Prohm

 

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Ta Prohm

 

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Ta Prohm

 

 

Banteay Srei

Wechselnd bewölkt, bis 32 Grad Celsius.

Fahrt von Siem Reap zur kleinen Tempelanlage Banteay Srei. Anschließend in einem Straßendorf.

 

Die kleine Tempelanlage Banteay Srei wurde in den Jahren 944 bis 968 zu Ehren von Shiva erbaut. Wie ein Trümmerhaufen wirkt sie aus der Ferne, herangekommen sieht man die Feinheiten, das Schöne, das, aufwändig restauriert, überdauert im bröselnden Stein.

 

Schulfrei!
Ein Mädchen winkt am Rand
der Ruinen.

 

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Banteay Srei

 

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Relief Banteay Srei

 

An der Straße zurück nach Siem Reap sind Verkaufsstände errichtet, dahinter liegen die Häuser des Dorfs und die Felder.

Die Mutter geht
zu den Touristen, die Tochter rührt
Palmzucker.

Ein Mann steigt in die Krone einer Palme, wo aus Blütenständen Saft gewonnen wird. Die Menschen kochen ihn in Kesseln, wo er zu Zucker kristallisiert. Zähflüssig lässt der sich in Formen gießen und wird dann, in Bambusblätter gewickelt, verkauft.

 

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Transport bei Siem Reap

 

Staub steigt.
Ein Hirt treibt Wasserbüffel
mit seinem Fahrrad.

 

Bauer mit Wasserbüffel –
wir suchen
nach Automarken.

Die Automarke der Gegend und ganz Indochinas, so scherzten wechselnde Reiseleiter mit uns, ist BMW, abgekürzt aus: Bauer mit Wasserbüffel.

 

 

Siem Reap

Bewölkung wechselnd. Höchsttemperatur 31 Grad Celsius.

Freier Tag in Siem Reap. Wir halten uns im schönen Park des Siem-Reap-Flusses auf. Nachts beginnt unser Heimflug. Über Hanoi geht es nach Frankfurt am Main und von dort weiter mit dem Zug nach Tübingen.

 

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Statue im Flusspark von Siem Reap

 

Im Schatten des Baumes –
das Heilige, eben hier gerade
entsteht es.

Eine Hand berührt das Gras, eine Hand streicht durch die lebendige Luft.

 

Flussanlagen.
Ein Laubhaufen, gekehrt
für den Wind.

 

Ein Paar steht am Fluss. Er wartet noch. Sie schaut die leichte Strömung hinab, schaut zurück. Als sie gehen, wiegt ihr Kleid, und zwei Schmetterlinge umtänzeln sie.

 

 

Impressum

Texte, Fotos und Gestaltung: Volker Friebel
Alle Rechte vorbehalten
Eine erweiterte Fassung erschien als eBuch
ISBN: 978-3-936487-67-1 (eBuch, epub-Version)

 

 


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