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Volker Friebel

Eine Reise durch Laos
Fotos, Verse und Notizen

 

Wir reisen Anfang Februar durch das Land, also noch in der kühleren Trockenzeit. Ich schaue mir die wichtigsten Stationen an:

Ein Flug von Hanoi, der Hauptstadt Vietnams, nach Luang Prabang in Laos. Wir besichtigen Tempel und Klöster sowie den ehemaligen Königspalast.

Markt in Luang Prabang. In der Umgebung Besuch eines Wasserfalls.

Bootsfahrt von Luang Prabang den Mekong hinauf zu den Höhlen von Pak Ou. Weitere Tempel in Luang Prabang.

Busfahrt von Luang Prabang durch das Hügelland von Laos nach Vang Vieng.

Busfahrt von Vang Vieng in die Hauptstadt Vientiane an der Grenze zu Thailand. Besichtigung mehrerer Tempel und des ehemaligen Königspalasts.

Flug von Vientiane nach Phnom Penh in Kambodscha.

 

Zur Netz-Version des Buchs: Jeder Reisetag bildet ein Kapitel. Fotos und Notizen dichterischer Art von unterwegs, meist in Form von Haiku, wechseln sich ab. Das Material des eBuchs ist für diese Netz-Version gekürzt. Sachinformationen zu den besuchten Orten sind hier fast ganz weggelassen.

Klicks auf die Unterschriften der Fotos führen zu größeren Versionen der Bilder (1200x900 Pixel).

 

 

Dharma-Vortrag.
An der Klostertür vorbei
flattert ein Schmetterling.

 

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Mönch im Wat Mai, Luang Prabang

 

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Wat Mai, Luang Prabang

 

Stadtberg von Luang Prabang

Die Sonne sinkt. Am Ausblick
versammeln sich Menschen,
helle Gesichter, über den dunklen Hügeln,
über dem dunklen Fluss.

Jemand öffnet die Tür eines Käfigs.
Ein winziger Vogel flattert
in den erleuchteten Himmel.
Die Umstehenden klatschen.

Als die Sonne dann untergeht,
sind wir schon auf den Treppen hinab,
bleiben nun stehen, heben unsere Gesichter
und lauschen.

 

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Ausblick vom Hausberg, Luang Prabang

 

 

Luang Prabang – Tempel und Markt

Vormittags neblig und kühl, dann blau und bis 35 Grad Celsius, abends wieder angenehme Abkühlung.

Morgens gehen wir über den Markt. Der wird entlang der Hauptstraße des Städtchens aufgebaut, die während der Marktzeit für den Autoverkehr gesperrt ist. Dann besuchen wir den Königspalast und das Wat Xieng Thong. Mittagspause werden wir zu zweit an der Uferstraße auf einem Absatz über dem Mekong halten. Danach geht die Fahrt im Kleinbus 30 Kilometer zu den Kaskaden des Kuang Si Wasserfalls.

 

Markt in Luang Prabang

Gemüse, Gewürze und Früchte.
Lao-Pop schwingt. Jetzt am Morgen
ist es noch kühl. In Bananenblätter gepacktes
Schweinefleisch: ein junges Mädchen
kauft es der Alten ab, während ein Mönch
eiligen Schrittes im Wat verschwindet
und stolz ein Hahn kräht. Die Bananen sind
klein. Fliegen schwirren um frisch gehacktes
Fleisch. Taschenrechner zeigen die Preise.
Manche der alten Frauen strahlen
in ihrer eigenen Welt.
Alle Bewegung ist langsam.

 

Drei Mädchen rupfen
Streifenhörnchen. Neben dem Fisch
liegt ein Messer.

 

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Markt in Luang Prabang

 

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Königspalast in Luang Prabang

 

Nach dem Schlammbad:
Wasserbüffel
nehmen die Landstraße.

 

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Wasserbüffel bei Luang Prabang

 

Strähnen der Erde.
Die Frau blickt ihr Kind an –
ein Wasserfall.

 

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Kouang Si Wasserfall bei Luang Prabang

 

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Kouang Si Wasserfall bei Luang Prabang

 

Am Restaurant
die Stille der Palmen. Wir warten auf
die Sterne.

 

 

Luang Prabang – Fahrt auf dem Mekong

Morgens ist es dunstig, sonst blau, mit bis zu 35 Grad Celsius.

Noch in der Nacht wandern wir zur Hauptstraße, wo allmorgendlich die Almosen-Prozession der Mönche stattfindet, das Tak Bat. Dann geht es im Langboot den Mekong aufwärts zu den Höhlen von Pak Ou. Den Mittag werden wir in einem Dorf auf der anderen Seite des Mekongs verbringen. Zurück in Luang Prabang besuchen wir That Luang, das älteste Wat der Stadt.

 

Ocker-Gewänder.
Almosengang. Über dem Wat
der Morgenstern.

Stern und Mönche, Straßenbeleuchtung und Autoscheinwerfer strahlen unterschiedslos vor den Einheimischen und den Touristen. Als der Zug der Mönche vorüber ist, beginnt der Himmel hell zu werden.

 

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Mönche beim morgendlichen Almosengang, Luang Prabang

 

Mekong flussauf –
unser Langboot teilt die braunen Haare
der Göttin.

 

Ein Grenzstein mitten
im Mekong.
Die Fische lachen.

 

Die Höhlen von Pak Ou liegen direkt am Mekong, etwa 25 Kilometer nördlich von Luang Prabang. Sie sind nur mit dem Boot erreichbar. „Pak Ou“ heißt „Mündung des Flusses Ou“ – das ist auf der anderen Mekong-Seite, am Dorf Ban Pak Ou. Schön anzusehen, wie das klare Wasser des Ou und der lehmige Mekong sich mischen!

Vor Jahrhunderten soll ein König dazu aufgerufen haben, Buddha-Figuren in die Kalksteinhöhlen zu bringen, um einen bösen Geist zu vertreiben, der dort wohne und den Fluss unsicher mache. Denn immer wieder ertranken Menschen in den Strudeln. Die beiden Höhlen enthalten heute Hunderte von Figuren. Früher waren es mehr.

 

Buddha-Grotten.
Mit jedem Pilgerschritt hebt sich
Staub.

 

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Obere Höhle von Pak Ou

 

Nach dem Besuch der Höhlen machen wir Mittag im Dorf Ban Pak Ou am anderen Mekong-Ufer.

 

Nach der Schule
einen Schleck kaufen – zwei Mädchen
tanzen nach Hause.

 

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Ban Pak Ou
das Dorf an der Mündung des Ou in den Mekong, gegenüber den Höhlen

 

Kettenklirren.
Der junge Elefant versucht
einen Tanz.

Der alte Dickhäuter hinter ihm ist frei. Ihn halten die Ketten in seinem Verstand.

Insgesamt gibt es im Dorf sieben Elefanten. Die anderen sind mit Touristen unterwegs. Man steigt vom ersten Stock einer Holzhütte in den Sattel hinab. Wir schauen zu, mit gemischten Gefühlen.

Ohne die Möglichkeit, derart Geld mit ihnen zu verdienen, gäbe es Elefanten vielleicht schon gar nicht mehr, hier in Laos, das einst „Land der Millionen Elefanten“ genannt wurde.

Trotzdem ...

Auf dem Boden stinken gewaltige Fladen.

 

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Der kleine Elefant
bei Ban Pak Ou gegenüber den Höhlen von Pak Ou

 

Zwei Jungen –
am Mekong-Ufer werfen sie
Sand hoch.

 

Unser Langboot trägt uns flussab. Kinder spielen an einem flachen Strandstück Wasserfußball. Die Fahrt ist angenehm. Ich nicke immer wieder ins Motortuckern.

 

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Mekong bei Luang Prabang

 

Durch die laotische Nacht
zirpen Grillen.
Tänzerinnen erscheinen.

 

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Restaurant in Luang Prabang

 

 

Fahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng

Blauer Himmel, bis 35 Grad Celsius.

Ein Bus fährt uns südwärts. Wir legen etwa 230 Kilometer zurück und kommen von Luang Prabang durch das Hügelland von Laos in das Städtchen Vang Vieng. Drei Pässe überqueren wir und besichtigen mehrere Dörfer.

 

Die Säge schärfen.
In der Hütte läuft ein Programm
aus dem All.

Ein Hängebauchschwein wirft sich in den Staub. Von überall rennen Junge heran und drängen sich um seine Zitzen.

 

Über dem Staub
eine Wäscheleine. Ein Kind
staunt die Fremden an.

 

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Dorf im Bergland

 

Pass um Pass

Dschungelhänge, Serpentinen. Unser Bus
nimmt Pass um Pass. An seine Scheiben
schlägt wucherndes Grün. Ein Junge trägt
Wasserbehälter ins Dorf, durch Staub,
der Himmel und Erde vermengt.
Bananenstauden, die Schemen
ferner Berge, beflügelte Luft.
Auf Dächern, am schuldlosen Licht,
trocknet Tabak, während im Stoppelfeld
die Erde schon nachgrünt.

Die Korruption der Menschen
in einer durchheiligten Welt.
Die Sonne zieht ihren Bogen trotzdem.
Ihr Auge ist so groß, dass es blind wirkt.
Der Reiseleiter hält das Mikrophon
halb zur Erde gesenkt.

 

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Bergland

 

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Fluss im Bergland

 

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Sonnenuntergang in Vang Vieng

 

 

Fahrt von Vang Vieng nach Vientiane

Meist blau, Höchsttemperatur 35 Grad Celsius.

Nach dem Frühstück fahren wir von der Kleinstadt Vang Vieng etwa 160 Kilometer südwärts nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos, wo wir gegen Mittag ankommen. Wir besichtigen einige Tempel.

 

Mit dem Bambus
Löcher graben, die Kinder
geben den Reis dazu.

So wird gesät: Die Eltern gehen voran und bohren mit der Bambusstange Löcher in den Boden. Die Kinder gehen hinter ihnen, geben in jedes Loch bis zu sieben Reiskörner und werfen das Loch wieder zu. Später werden sie jäten müssen.

Hier in den Bergen wächst Trockenreis. Der Boden bleibt nicht lange fruchtbar, deshalb ziehen die ethnischen Minderheiten, welche die Berge bewohnen, nach immer neuen Anbauflächen umher. Sie fällen die Bäume, lassen alles trocknen, brennen es ab. Sie sind arm.

An vielen Hütten sind Satellitenschüsseln montiert.

 

Auf dem Fischmarkt:
So viele Augen
in einer Bastschale!

 

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Fische, Markt bei Vang Vieng

 

Unter dem Strommast –
ein Bananenbaum
lauscht in das Singen.

 

Vientiane bedeutet Stadt des Mondes. Der Ballungsraum hat etwa 600.000 Bewohner. Vientiane ist damit die mit Abstand größte Stadt von Laos. Im 13. Jahrhundert gegründet, ist sie seit 1975 wieder Hauptstadt, wie schon einige Male zuvor.

Vientiane liegt in einer Tiefebene am Mekong. Der ist in dieser besonders lange anhaltenden Trockenzeit weit von seinen Ufern zurückgewichen. Viele Obstblüten sind verdorrt. Die frühe Mangoernte fällt ganz aus.

Das andere Flussufer gehört bereits zu Thailand. Früher befand sich Vientiane in der Mitte von Laos. Vor fast 200 Jahren wurden nach einem verlorenen Krieg gegen Siam (dem heutigen Thailand) alle Gebiete jenseits des Mekongs eingebüsst, das ehemalige Zentrum des Landes ist seither Grenzstadt.

 

Stadt des Mondes –
überflutet
von Sonnenlicht.

 

Das Wat Si Saket wurde im Jahre 1818 vom König gestiftet. Bei der Zerstörung Vientianes durch die Siamesen 1827 blieb es verschont, vielleicht weil sein Baustil eher siamesisch als laotisch anmutet (der König wuchs in Bangkok auf). Das Wat enthält heute ein Museum mit mehr als 10.000 Buddha-Statuen.

 

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Buddha-Museum im Wat Si Saket, Vientiane

 

Gleich gegenüber dem Wat Si Saket liegt der Tempel Ho Phra Keo. Er wurde im Jahre 1565 als Kapelle der laotischen Königsfamilie errichtet. Das ist nun ein Museum, mit einer Nachbildung des Smaragd-Buddhas, der hier einst bewahrt wurde.

 

Tempelanlage.
Auf einem Schachbrett liegen
Bierkronen.

 

Starre Blätter
am Boden. Ein Novize lächelt
in die Kamera.

 

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Ho Phra Keo, Vientiane

 

Heiligstes Denkmal und Nationalsymbol von Laos ist der große Stupa Pha That Luang. Er wurde im Jahre 1566 vom König eingeweiht. Zwei Tempel gehören dazu.

 

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Pha That Luang, Vientiane

 

Mittagsglut.
Ich sammle Blätter
vom Bodhi-Baum.

Bodhi-Baum wird die aus Indien stammende Pappel-Feige (Ficus religiosa) genannt. Sie zählt zur Familie der Maulbeergewächse, wächst schnell und kann bis zu 30 Meter hoch werden. Die spitz zulaufenden Blätter sind charakteristisch.

Unter einem solchen Baum soll vor zweieinhalb Jahrtausenden der historische Buddha Siddhartha Gautama erwacht sein (Buddha bedeutet Erwachter). Der Bodhi-Baum gilt deshalb als eines der Symbole des Buddhas und wird gern in der buddhistischen Kunst dargestellt – oder in buddhistischen Anlagen gepflanzt.

Wie schön, einen Baum so nahe am Mittelpunkt einer Religion zu sehen!

Monate später. Ich packe für eine Reise zur Kastalischen Quelle und dem Orakel von Delphi. Und finde in einem verborgenen Fach meines Koffers die vermissten, unter dem Bodhi-Baum aufgelesenen Blätter. Sie sind heil.

 

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Bodhi-Baum bei Pha That Luang, Vientiane

 

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Pha That Luang, Vientiane

 

 

Abschied von Laos

Blauer Himmel, bis 37 Grad Celsius.

Nach dem Frühstück in Vientiane fährt uns ein Bus zum Flughafen und wir fliegen weiter nach Phnom Penh (Kambodscha). Damit endet dieses Buch.

 

Vientiane

Zwei Mädchen in Uniform radeln
zur Schule, am Mekong entlang. Die Sonne schenkt
aus vollem Leib, schenkt sich strahlend,
gleichgültig für alles um sich. Wir sehen hoch,
wir lächeln und bleiben doch auf
der Erde zurück.

Ich habe Bodhi-Blätter gesammelt.
Eines ließ ich in der Hand eines Buddhas.
Und ging durch den Staub. Blauer Staub
des laotischen Himmels. Blauer Staub
unseres Lebens, tanzend, funkelnd
im Morgenlicht.

 

Unsere Atemzüge –
gleichgültig mischen sie sich
im Flugwartesaal.

 

 

Impressum

Texte, Fotos und Gestaltung: Volker Friebel
Alle Rechte vorbehalten
Eine erweiterte Fassung erschien als eBuch
ISBN: 978-3-936487-65-7 (eBuch, epub-Version)

 

 


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